Errichtung eines Grenzzauns aus Stacheldraht

1942

Mitten im Zweiten Weltkrieg ordnete das nationalsozialistische Deutschland die vollständige Abriegelung der Schweizer Grenze bei Basel an. 17-jährige Jungen, die im Reichsarbeitsdienst tätig waren, wurden im Sommer 1942 abkommandiert, um auf 18 Kilometern einen gewaltigen Stacheldrahtverhau zwischen Weil am Rhein und dem Grenzacher Horn zu errichten.

Bau des Grenzzauns

Vom 27. Juni bis zum 15. September 1942 errichteten zwei Kolonnen des deutschen Reichsarbeitsdienstes (RAD) entlang der auf rechtsrheinischem Gebiet verlaufenden Grenze zur Schweiz einen mächtigen Grenzzaun aus Stacheldraht. Etwa 500 junge Männer aus Aachen, Köln und Düren leisteten mit dem Bau einen Teil ihres vormilitärischen Pflichtdienstes. Zwischen Weil am Rhein und dem Grenzacher Horn entstand auf einer Länge von 18 Kilometern ein bis zu 3 Meter hoher und 8 Meter breiter Grenzwall. Im August 1942 informierte der Lörracher Gestapochef Wilhelm Hahn den Leutnant des Basler Polizeiinspektorats Marc Perret über die laufenden Baumassnahmen. Sein Anliegen: Die Schweiz sollte den engen Zugang zur Eisernen Hand – ein Landstück auf Schweizer Territorium – selbst durch einen Grenzzaun abriegeln. An dieser Stelle ragt eine schmale Landzunge in deutsches Hoheitsgebiet hinein.

Lücke beim Maienbühl als Fluchtmöglichkeit

Erst im Februar 1943 – fünf Monate nach Ende der Zaunarbeiten auf deutscher Seite – informierte Basel die Lörracher Gestapo darüber, dass es keinen schweizerischen Zaun an der Eisernen Hand geben werde. Der Grund: Der Bau eines Grenzzauns quer durch die schmale Stelle hätte eine Preisgabe von Schweizer Hoheitsgebiet bedeutet. Im Waldstück beim Maienbühl blieb daher eine Lücke, die Ortskundigen weiterhin eine Fluchtmöglichkeit bot. Allerdings war das gesamte Gebiet entlang des Grenzzauns zur Sperrzone erklärt worden, was die Flucht erheblich erschwerte. Für viele Menschen war daher der Grenzzaun die Endstation ihrer Flucht.

Situation nach Kriegsende

Nach dem Ende des Krieges gehörte Südbaden zur Französischen Besatzungszone. Regelmässig trafen sich Vertreter des französischen Militärgouvernements und der Schweizer Bundesbehörden zu Beratungen. Im April 1946 beschlossen beide Seiten die Entfernung des Grenzzauns. Doch dazu sollte es zunächst nicht kommen. Gründe dafür waren unter anderem illegale Grenzübertritte und Schmuggel.

Schrittweise Beseitigung des Grenzzauns ab den 1950er-Jahren

In den 1950er-Jahren begannen die Bauern, den Stacheldraht auf ihren Grundstücken und Ländereien zu entfernen. In der Folge beauftragte das Landratsamt Lörrach einen bayerischen Schrotthändler damit, den Zaun abzubauen. Nach kurzer Zeit beklagte sich die Firma, dass die «besten Teile» bereits abgeschlagen seien. Anlieger aus der Umgebung hatten sich das brauchbare Metall im Vorfeld gesichert. Das Schrottunternehmen zog unverrichteter Dinge wieder ab.

Die Folgen der unprofessionellen und lückenhaften Beseitigung des Grenzzauns waren lange spürbar. Ein Teilstück von 70 Metern Länge oberhalb von Lörrach-Stetten stand weithin sichtbar noch 1967. Und im Jahr 1973 klagte der Naturschutzverein Basel über Reste des Stacheldrahtverhaues auf Matten der Gemarkung Lange Erlen sowie auf Wiesen und in Waldgebieten am Dinkelberg.

Im Herbst 2017 realisierten das Kreisarchiv Lörrach und die Dokumentationsstelle Riehen zu den Themen Grenzzaun und Flüchtlinge eine kleine Ausstellung mit dem Titel ‹Endstation Grenzzaun? Flucht zwischen Rettung und Tod›. Sie wurde in Lörrach, Riehen, Grenzach und Weil am Rhein gezeigt.

Autorin / Autor: Ulrich Tromm | Zuletzt aktualisiert am 3.3.2026

Artikel

Jahrbuch z’Rieche

Literatur

Jahrbuch z’Rieche

Basler, Niggi: Riehener Schmuggel- und Grenzgeschichten. In: Jahrbuch z’Rieche 1967. S. 75–85.

Jaquet-Anderfuhren, Nicolas: Riehen im Zweiten Weltkrieg. In: Jahrbuch z’Rieche 1985. S. 77–108, hier S. 84–86.

Raith, Michael: Der Grenze entlang. Die Grenze zwischen Basel-Stadt und Baden-Württemberg – Teil 2. In: Jahrbuch z’Rieche 2005. S. 112–139, hier S. 132.

Seiler, Lukrezia: Geschichten von Flucht, Verweigerung und Hilfe. In: Jahrbuch z’Rieche 2004. S. 31–46.

Weitere Literatur

Meyrat, Sibylle: Leben an der Grenze. In: Schnyder, Arlette et al.: Riehen – ein Portrait. Basel 2010. S. 73–99, hier S. 80f.

Seiler, Lukrezia und Jean-Claude Wacker: «Fast täglich kamen Flüchtlinge». Riehen und Bettingen – zwei Grenzdörfer 1933 bis 1948. 4., überarbeitete und erweiterte Aufl. Basel 2013. S. 163–186.

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