Geothermie

Seit 1994 ist in Riehen eine Geothermie-Anlage im Betrieb, die Erdwärme zu Heizzwecken nutzbar macht. Mit dem Zusammenschluss der drei bisherigen Wärmeverbünde Riehen Dorf, Niederholz und Wasserstelzen zur Wärmeverbund Riehen AG 2009 konnte die Förderleistung der Anlage deutlich gesteigert werden.

Die Energiekrise in den 1970er-Jahren führte dazu, dass sich die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft eine umweltfreundlichere Energiegewinnung zum Ziel setzten. Anfang der 1980er-Jahre klärte eine bikantonale Arbeitsgruppe die Voraussetzungen für den Bau einer Geothermie-Anlage in der Region ab. Riehens geologische Schichtungen erwiesen sich für eine mögliche Nutzung der Erdwärme als besonders geeignet.

Im März 1987 bewilligten die Parlamente des Kantons Basel-Stadt und der Gemeinde Riehen einen Kredit von je 2,75 Millionen Franken für zwei Probebohrungen in Riehen. Im Falle eines negativen Ergebnisses der Tiefenbohrungen garantierte der Bund die Übernahme von 50 Prozent der Kosten.

Anfang August 1988 wurde der Befund von 65 Grad Celsius heissem Wasser in 1547 Metern Tiefe mit der ersten Bohrung am Bachtelenweg bestätigt. Auch die Resultate der zweiten Bohrung im Stettenfeld, wo das abgekühlte Wasser wieder in die ursprünglichen Gesteinsschichten ‹verpresst› werden sollte, fielen positiv aus.

Im Frühjahr 1994 wurde die Geothermie-Anlage in Betrieb genommen. Riehen nutzt seither die Erdwärme ausschliesslich zu Heizzwecken. Die Anlage belieferte zuerst die Haushalte des Wärmeverbunds im Dorfkern. 2004 waren bereits 300 Gebäude an das Verteilnetz des Verbunds angeschlossen. Die Hälfte von deren Wärmebedarf konnte mit Erdwärme gedeckt werden. Die überschüssige Wärme im Sommer wird seit 1996 über die Grenze in die Neubausiedlung Lörrach Stetten-Süd abgeleitet.

Für den kontinuierlichen Einsatz für eine effiziente Nutzung von Energie, den Klimaschutz, erneuerbare Energien und umweltverträgliche Mobilität wurde Riehen 1999 erstmals mit dem Label Energiestadt® ausgezeichnet. Im März 2004 erhielten Riehen und Lausanne als erste Gemeinden den ‹European Energy Award› Gold.

2009 konnte der Wärmeertrag der Anlage durch den Zusammenschluss des Wärmeverbunds Riehen Dorf mit den Wärmeverbünden Niederholz und Wasserstelzen zum ‹Wärmebund Riehen AG› zusätzlich gesteigert und die Leistung der Förderpumpe erhöht werden. Die Aktiengesellschaft ist im Eigentum der Gemeinde Riehen (72,9 Prozent) und der Industriellen Werke Basel IWB (27,1 Prozent). Das 38 Kilometer lange Fernwärmenetz deckt heute den Wärmebedarf von rund 8500 Personen.

2018 wurde eine Machbarkeitsstudie für eine zweite Geothermie-Anlage in Riehen in Auftrag gegeben.

Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 17.1.2023

Artikel

Jahrbuch Riehen

Literatur

Jahrbuch z’Rieche

Grass, Richard: Wärme aus der Erde. Die Erfolgsgeschichte des Wärmeverbundes Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1996. S. 120–131.

Grass, Richard: Grenzüberschreitende Geothermie. In: Jahrbuch z’Rieche 2001. S. 55–59.

Grass, Richard: Goldmedaille für die Energiestadt Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 2004. S. 130–134.

Grass, Richard: Mehr Wärme dank Zusammenschluss. In: Jahrbuch z’Rieche 2010. S. 112–117.

Grass, Richard: Energiepolitisch immer am Ball. In: Jahrbuch z’Rieche 2020. S. 54–59.

Weissenberger, Fritz: Energiestadt Riehen. Ein Label, das verpflichtet. In: Jahrbuch z’Rieche 2000. S. 30–39.

Weitere Literatur

Grass, Richard: Riehen besitzt Wärme. In: Basler Stadtbuch 2004. S. 44–47.

Hauber, Lukas: Riehen 1 – eine erfolgreiche Geothermiebohrung. In: Basler Stadtbuch 1988. S. 185–188.

Kaufmann, Gerhard: Riehen nutzt die Geothermie zu Heizzwecken. In: Basler Stadtbuch 1992. S. 129–132.

Weber, Rudolf: Heizwärme aus der Tiefe. Wo und wie sich in der Schweiz mit Erdwärme heizen lässt. Oberbözberg 1990.

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