Die Druckerei Schuldel war ein Familienunternehmen, das von 1911 bis 2001 bestand und danach bis 2003 als Tochterunternehmen fortgeführt wurde. Sie bildete zuerst ein Einzelunternehmen, dann eine Kommanditgesellschaft und schliesslich eine Aktiengesellschaft. Das Unternehmen gab die ‹Riehener Zeitung› und das ‹Jahrbuch z’Rieche heraus, verlegte zeitweise aber auch belletristische Literatur.
1908 zog der Buchbindermeister Albert Schudel nach seiner Heirat mit der Kindergärtnerin Mina Barbara Bleiker an die Baselstrasse 51 in Riehen und richtete im dortigen Ladengeschäft, in dem der Konsumverein von 1891 bis 1904 seinen ersten Riehener Verkaufsladen betrieben hatte, eine Buchbinderei samt Papeterie ein. 1911 verlegte das Ehepaar mit seinen mittlerweile drei (später insgesamt sechs) Kindern Wohnung und Geschäft an die Schmiedgasse 6.
Nach dem Umzug gliederte Albert Schudel dem Betrieb eine kleine Druckerei an, die erste in Riehen, und lancierte 1913 den ‹Anzeiger für Riehen und Umgebung›, dessen Verbreitungsgebiet auch die badische Nachbarschaft umfasste. Der im folgenden Jahr ausbrechende Erste Weltkrieg verunmöglichte die regelmässige Herausgabe der Regionalzeitung. 1916 musste ihr Erscheinen ganz eingestellt werden. Im Herbst 1922 nahm Schudel einen zweiten Anlauf und gab das wöchentlich erscheinende ‹Anzeige- und Verkehrsblatt von Riehen und Bettingen›, heraus. Im gleichen Jahr erwarb das Ehepaar Schudel-Bleiker das Bauernhaus Schmiedgasse 9–11, in das es nach einem Umbau mit Familie und Geschäft einzog.
1933 trat Albert Schudel-Bleikers ältester Sohn Albert Schudel-Feybli in den Betrieb ein; 1938 wurde er Partner und nach dem Tod des Vaters im Jahr 1941 Leiter des Familienunternehmens, das nun den Namen A. Schudel & Co. erhielt. Damals wurden Papeterie und Buchhandlung abgetrennt und in eine eigene Firma überführt. 1946 wurde die Druckerei vergrössert und modernisiert und gleichzeitig auch die verlegerische Tätigkeit ausgeweitet. Bereits in der Zwischenkriegszeit hatte das Unternehmen neben der ‹Riehener Zeitung›, wie die 1922 begründete Lokalzeitung seit Anfang 1934 genannt wurde, verschiedene Zeitschriften und Festschriften herausgegeben und regelmässig auch Dissertationen gedruckt.
Von den 1950er- bis in die 1980er-Jahre dominierten belletristische Werke das Verlagsprogramm, vor allem solche in Mundart. Darunter waren auch Gedichtbände von Samuel (Sämi) Schudel, dem zweitjüngsten Bruder von Albert Schudel-Feybli, der seit den 1930er-Jahren ebenfalls in der Firma tätig war, seit 1947 als Partner.
1967 bezog die zwei Jahre zuvor in eine Aktiengesellschaft umgewandelte Druckerei, die ab 1961 auch das ‹Jahrbuch z’Rieche› produzierte, einen neuen Standort auf dem hinteren Teil der Parzelle Schmiedgasse 7–9 mit der Adresse Schopfgässchen 8. Während der Bauzeit war sie vorübergehend an der Baselstrasse 5 in einer stillgelegten Seidenbandfabrik eingemietet. 1975 wurde Christoph Schudel, ein Sohn des bisherigen Firmeninhabers, Geschäftsführer und Hauptaktionär.
Mangels Nachfolge innerhalb der Familie verkaufte Chirstoph Schudel Ende November 2001 die A. Schudel & Co. AG an die Friedrich Reinhardt AG in Basel, die auch alle 32 Mitarbeitenden übernahm. Die damals neben der ‹Riehener Zeitung› und dem ‹Jahrbuch z’Rieche› vor allem noch Werbebroschüren produzierende Druckerei blieb zunächst als selbstständige Tochterfirma unter dem Namen ‹Schudeldruck AG› bestehen, doch wurde der Druckbetrieb bereits im Herbst 2003 eingestellt und die Firma 2005 aus dem Handelsregister gelöscht.
Autorin / Autor: Stefan Hess | Zuletzt aktualisiert am 24.5.2026
Schmid-Cadalbert, Christian: 75 Jahre Dorfzeitung. Tradition als Verpflichtung. In: Jahrbuch z’Rieche 1997. S. 94–103.
Zenklusen, Rolf: Reinhardt – bitte übernehmen Sie! In: Jahrbuch z’Rieche 2002. S. 77–81.
Hess, Stefan: Die Druckerei Schudel. In: Kaspar, Albin et al.: Häuser in Riehen und ihre Bewohner. Heft IV. Riehen 2022. S. 34f.
Raith, Michael: Gemeindekunde Riehen. 2. überarbeitete und aktualisierte Aufl. Riehen 1988. S. 113, 269f.
Vögelin, Hans Adolf: Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart (1798–1970). In: Bruckner, Albert et al.: Riehen – Geschichte eines Dorfes. Riehen 1972. S. 319–410, hier S. 373–375.