Riehener Zeitung

Die Riehener Zeitung ist eine wöchentlich erscheinende Regional- und Lokalzeitung. 1913 erstmals lanciert, erscheint sie seit 1922 regelmässig und seit 1933 unter dem heutigen Namen. Seit den 1970er-Jahren liegt der inhaltliche Fokus auf Lokalnachrichten.

Bereits 1913 erschien ein erster Vorläufer der heutigen Riehener Zeitung, der Anzeiger für Riehen und Umgebung. Der Buchbinder Albert Schudel-Bleiker lancierte damit eine Zeitung für die Einwohnerschaft Riehens und der badischen Nachbargemeinden. Die Gratis-Wochenzeitung wurde durch Inserate aus Landwirtschaft und Handwerk finanziert. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 verhinderte eine weitere Distribution in die deutsche Nachbarschaft und das Blatt erschien bis 1916 nur noch unregelmässig.

Im Herbst 1922 startete Albert Schudel-Bleiker gemeinsam mit dem Verkehrsverein Riehen einen zweiten Versuch. Mit dem Anzeige- und Verkehrsblatt von Riehen und Bettingen wollte Schudel die Bewohnerinnen und Bewohner der neu entstehenden Aussenquartiere besser in das Dorfleben integrieren und gleichzeitig ein amtliches Informationsorgan schaffen, das bisher nicht existierte. So durfte sich das Wochenblatt ab 1923 im Untertitel offiziell ‹Amtlicher Anzeiger für Riehen und Bettingen› nennen. 1925 verlangte der Herausgeber erstmals einen Abonnementspreis von 4 Franken pro Jahr.

1933 wurde der Anzeiger in Riehener Zeitung umbenannt. Im selben Jahr trat Albert Schudel-Bleikers ältester Sohn Albert Schudel-Feybli in das Familienunternehmen ein und unterstützte seinen Vater in der Druckerei und in der Zeitungsredaktion. 1938 wurde Schudel-Feybli Partner im Unternehmen und übernahm 1941 dessen Leitung nach dem Tod des Vaters.

Im selben Jahr verbot der Gemeinderat der Zeitung den Untertitel ‹Amtlicher Anzeiger für Riehen und Bettingen›. Grund dafür war die kritische Berichterstattung über den Nationalsozialismus aus der Feder des neuen Chefredakteurs Schudel-Feybli. 1942 hatte die Zeitung eine Auflage von 1300 Exemplaren und erreichte so über die Hälfte der Riehener Haushalte.

Obwohl sie auf den Untertitel ‹Amtlicher Anzeiger› verzichten musste, enthielt die Zeitung weiterhin amtliche Mitteilungen. Ab 1968 und vor allem, als die finanzielle Situation des Blattes in den 1970er-Jahren zunehmend schwieriger wurde, leistete die Einwohnergemeinde einen finanziellen Beitrag für den Abdruck von Mitteilungen.

1977 erfolgte inhaltlich ein entscheidender Schritt: Der redaktionelle Teil richtete sich neu konsequent auf das Lokale aus, also auf Themen rund um Riehen und Bettingen. Die Zeitung wurde zu einem wichtigen Sprachrohr für die Verfechter der Gemeindeautonomie. Geprägt hatte diese Neuausrichtung Albert Schudel-Feybli. Die operative Leitung des Unternehmens lag bereits seit 1975 bei seinem Sohn Christoph Schudel.

Die dritte Generation der Familie Schudel war die letzte, welche die Riehener Zeitung herausgab. Die enge Verbindung der Familie mit der Vereinigung Evangelischer Wähler (heute EVP) prägte in dieser Zeit den Inhalt der Zeitung stark. Nachdem sich familienintern keine Nachfolge gefunden hatte, entschied sich Christoph Schudel 2001, die Firma A. Schudel & Co, die Druckerei und Zeitung umfasste, an die Friedrich Reinhardt AG in Basel zu verkaufen.

Auch unter der neuen Eigentümerschaft blieb die Riehener Zeitung dem Lokaljournalismus treu. Sie berichtet aus dem kulturellen, politischen, gesellschaftlichen, gewerblichen und sportlichen Leben in den Gemeinden Riehen und Bettingen und erscheint wöchentlich am Freitag. 2019 betrug die Normalauflage für die Abonnentinnen und Abonnenten 6000 Exemplare, die monatlich erscheinende Grossauflage 12 000 Exemplare. Mit der Grossauflage erreicht die Riehener Zeitung alle Haushalte in Riehen und Bettingen.

Autorin / Autor: Nils Widmer | Zuletzt aktualisiert am 25.7.2022

Artikel

Jahrbuch Riehen

Literatur

Jahrbuch z’Rieche

Schmid-Cadalbert, Christian: 75 Jahre Dorfzeitung. Tradition als Verpflichtung. In: Jahrbuch z’Rieche 1997. S. 94–103.

Soiron, Rolf: Schweizerkreuz und Christenkreuz. Zur Haltung der «Riehener Zeitung» im Zweiten Weltkrieg. In: Jahrbuch z’Rieche 1978. S. 29–45.

Weitere Literatur

Meyrat, Sibylle: Kulturelle Vielfalt. In: Schnyder, Arlette et al.: Riehen – ein Portrait. Basel 2010. S. 272–299, hier S. 295.

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