
Ernesto Cenci war ein Velomechaniker und -händler in Riehen und in jungen Jahren als Amateurradrennfahrer aktiv.
Sohn des Leone Cenci (Handlanger; 1882–1958) und der Elisabetta (Elisabeth), geborene Tottene (Gemüsehändlerin; 1891–1976). Heirat 1939 mit Luise Merazzi (1915–2009). Eine Tochter und zwei Söhne.
Ernesto Cenci wurde am 16. November 1915 in Basel geboren. Seine Eltern, Leone und Elisabetta Cenci-Tottene, stammten aus der norditalienischen Provinz Vicenza und hatten sich 1912 in der Schweiz niedergelassen. Ernesto hatte einen älteren Bruder und eine jüngere Schwester; alle drei Kinder wurden in der Schweiz geboren.
Zunächst lebte die Familie in Kleinbasel, zog aber Ende 1917 nach Riehen ins Niederholzquartier. Sie wohnte anfänglich an der Äusseren Baselstrasse 260, zog 1927 an die Niederholzstrasse 8, 1929 für kurze Zeit an die Morystrasse 17 und noch im gleichen Jahr ins Dorfzentrum an die Schmiedgasse 6. Der Vater arbeitete als Handlanger, während die Mutter eine Kostgängerei betrieb und Obst und Gemüse verkaufte. Ernesto trug bereits als Schüler zum Familieneinkommen bei, indem er frühmorgens Zeitungen austrug.
Nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit absolvierte Cenci in Bassano del Grappa bei einem Onkel eine Lehre als Velomechaniker und -konstrukteur. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz eröffnete er 1934 im Alter von 19 Jahren in einer Garage am Erlensträsschen eine Veloreparaturwerkstatt. Später verlegte er diese an die Baselstrasse 20 und 1939, nun um ein Velogeschäft erweitert, an die Schmiedgasse 6. Seit 1947 war das Unternehmen im Handelsregister eingetragen.
In seiner Freizeit betrieb Cenci aktiv Radsport und nahm als Amateur an Radrennen teil. 1934 war er massgeblich an der Gründung des Velo-Clubs Riehen beteiligt, dessen Sportbereich er leitete. Nach Ende seiner Rennsportlaufbahn übernahm er andere Funktionen im Verein und amtete zeiweise auch als dessen Präsident.
Seinen grössten Erfolg als Radrennfahrer erzielte Cenci 1939 mit dem Sieg an der Nordwestschweizerischen Rundfahrt. Im gleichen Jahr gewann er auch die Schwarzwaldrundfahrt in Schwemmingen. 1940 führte er als Captain das Team des Velo-Clubs Riehen an den Schweizer Meisterschaften im Mannschaftsfahren zur Silbermedaille.
Sein Rennrad hatte Cenci selbst konstruiert. In seiner Werkstatt wartete er zudem die Fahrräder anderer Radrennfahrer.
1936 lernte Cenci an dem von ihm gewonnenen Radkriterium von Weil am Rhein Luise Merazzi aus Ehrenstetten bei Freiburg im Breisgau kennen. Die beiden heirateten am 17. Januar 1939 in Riehen. Aus der Ehe gingen die Tochter Tosca und die beiden Söhne Gaetano und Ernesto hervor. Die Ehefrau und später auch die drei Kinder waren in unterschiedlichen Funktionen im Familienunternehmen tätig.
1948 verlegte Cenci Werkstatt und Laden an die Schmiedgasse 23 und erweiterte das Sortiment unter anderem um Motorfahrräder. Bereits 1945 hatte er eine Filiale in Basel eröffnet; bis 1958 kamen zwei weitere hinzu. Anfang der 1950er-Jahre wurde das Hauptgeschäft in Riehen zudem um eine Spielwarenabteilung erweitert.
Von 1974 bis 1975 liess Cenci am bisherigen Standort einen Neubau errichten, der durch die Einbeziehung der Liegenschaft Webergässchen 4 eine deutlich grössere Verkaufsfläche aufweist. Der Laden umfasste neu auch eine Mode- und eine Schallplattenabteilung und wurde damit zum ersten Warenhaus in Riehen. 1979 folgte eine Sportfiliale in Basel und zwei Jahre später eine weitere Niederlassung in Pratteln. 1994 kam überdies eine Tennishalle in Weil am Rhein hinzu.
1993 übergab Ernesto Cenci die Geschäftsleitung der Firma seinem Schwiegersohn Mario Borghetti-Cenci. Er und seine Frau blieben zunächst weiterhin im Geschäft tätig. Erst mit der Umwandlung der Firma in eine Aktiengesellschaft 1997 zogen sie sich aus dem Geschäftsleben zurück. Ihren Wohnsitz behielten sie aber im selben Gebäude, in dem sich auch Laden und Werkstatt befanden.
Auch im hohen Alter blieb der Sport ein wichtiger Bestandteil von Cencis Leben. Neben dem Velofahren und Skifahren spielte insbesondere Tennis eine bedeutende Rolle.
Ernesto Cenci starb am 11. Mai 2004. Er wurde auf dem Gottesacker Riehen im selben Grab beigesetzt wie sein 1991 bei einem Unfall verstorbener Sohn Gaetano.
Autorin / Autor: Stefan Hess | Zuletzt aktualisiert am 1.10.2026
Spriessler-Brander, Rolf: Ein Radsportverein mit grosser Geschichte. In: Jahrbuch z’Rieche 2016. S. 122–127, hier S. 122–124.
Kaspar, Albin et al.: Häuser in Riehen und ihre Bewohner. Heft IV. Riehen 2022. S. 60–62, 80, 258f., 269.