Schreinerhandwerk

In Riehen ist erstmals 1599 ein Schreiner fassbar. Die Rationalisierung im Bauwesen und in der Möbelherstellung führten im 20. Jahrhundert zu einer Spezialisierung und schliesslich zu einer starken Reduktion der Betriebe. Seit 2023 sind in der Gemeinde nur noch zwei Schreinereien aktiv.

Die Anfänge des Handwerks in Riehen

Das Handwerk der Schreiner ging aus jenem der Zimmerleute hervor. Als Merkmal und zugleich als Privileg des Schreinerhandwerks galten die geleimte Arbeit und der Einsatz verschiedener Hobel. In Riehen scheinen Möbel und Innenausbau lange Zeit von Zimmerleuten ausgeführt worden zu sein, die hier seit 1538 sicher nachweisbar sind. Für anspruchsvollere Arbeiten zog man städtische Schreiner aus Basel heran, wo dieses Handwerk unter der Bezeichnung ‹Kistenmacher› bereits seit 1393 belegt ist. 1599 taucht in den Quellen mit Felix Köbelin in Riehen erstmals ein Schreiner auf. Bereits zwei Jahre zuvor hatte der knapp 13-jährige Hans Heinrich Pfaff aus Riehen in Basel eine Schreinerlehre begonnen, doch wurde er nach der Lehre nicht in seiner Heimatgemeinde aktiv. Dies ist beides relativ früh, denn im Basler Untertanengebiet sind nur im Landstädtchen Liestal bereits früher Vertreter dieses Handwerks bezeugt.

Felix Köbelin, der um 1600 die Liegenschaft Schmiedgasse 1 erwarb, erhielt regelmässig Aufträge vom Riehener Landvogt. Er scheint sich innerhalb der Dorfgemeinschaft ein gewisses Ansehen erworben zu haben, denn er bekleidete von 1627 bis 1631 das Amt eines Kirchenpflegers. Nach seinem Tod führten sein Sohn Johannes Köbelin-Eger und kurze Zeit wohl auch der Enkel Johannes Köbelin-Thoman die Werkstatt an der Schmiedgasse 1 weiter.

Blüte im 18. Jahrhundert

Nach 1660 lag das Schreinerhandwerk in Riehen für über 100 Jahre weitgehend in den Händen der beiden Dynastien Bettener und Hauswirth. Neben regelmässigen öffentlichen Aufträgen erhielten die örtlichen Schreiner wohl vor allem solche von der lokalen Bevölkerung, doch haben sich dazu vor dem 19. Jahrhundert keinerlei schriftliche Quellen erhalten. Sie dürften neben Möbeln, Fussböden, Wandvertäfelungen und Türen auch diverse Gebrauchsgegenstände und landwirtschaftliches Gerät hergestellt haben. Ein klassisches Betätigungsfeld für Schreiner waren zudem die Särge.

Die Dorfschreiner führten nachweislich auch Arbeiten für Basler Stadtbürger auf deren Landgütern aus und begannen sogar trotz heftiger Proteste der städtischen Schreinermeister wie andere Handwerker in stadtnahen Gemeinden ihr Tätigkeitsgebiet auf die Stadt Basel auszudehnen. Die Riehener Schreiner, die sich anders als etwa die Bäcker nicht in der betreffenden Zunft in Basel einkauften, konnten von der strukturell bedingten Preisdifferenz und der zunehmenden Durchlässigkeit des städtischen Markts profitieren. Daher stieg ihre Anzahl im 18. Jahrhundert stetig an, sodass es in den 1770er-Jahren in Riehen fünf Schreinereien gab. Allerdings waren alle Riehener Schreiner nebenher auch landwirtschaftlich tätig.

Langsamer Wandel im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert änderte sich an der Situation der Schreiner in Riehen zunächst wenig. Ihre Anzahl stieg ungefähr im Verhältnis zur Bevölkerungszahl. Erst die Einführung der Gewerbefreiheit mit der Kantonsverfassung von 1875 ermöglichte ihnen den unbeschränkten Zugang zum städtischen Markt. Die traditionelle Verbindung zur Landwirtschaft blieb dabei noch vielfach bestehen.

Motorisierung und Spezialisierung im 20. Jahrhundert

Im frühen 20. Jahrhundert begannen die ersten Betriebe in Riehen Maschinen einzusetzen. Die technischen Verbesserungen führten dazu, dass die Einrichtung einer Schreinerei immer kostspieliger wurde. Bis in die 1920er-Jahre waren die Riehener Schreiner noch Allrounder, die auf dem Bau arbeiteten sowie Möbel und Särge herstellten. Die steigenden Kosten für Spezialmaschinen, aber auch die in der nahen Stadt Basel betriebenen Möbelmagazine und das Aufkommen von Selbstbaumöbeln in den 1970er-Jahren hatten jedoch eine zunehmende Spezialisierung zur Folge. Diese Herausforderungen führten dazu, dass sich etliche Betriebe nur kurze Zeit halten konnten oder nach Basel verlegt wurden. Andere fanden Nischen, in denen sie die wegfallenden Arbeitsgebiete wenigstens teilweise kompensieren konnten.

Betriebsschliessungen im 21. Jahrhundert

Insgesamt führte die Rationalisierung im Bauwesen und in der Möbelfabrikation dazu, dass in Riehen und anderswo das traditionelle Schreinerhandwerk heute nur noch ein Nischendasein fristet. So ging mit der Schliessung der 1875 eröffneten Schreinerei Stolz & Söhne im Jahr 2014 und des seit 1946 bestehenden Betriebs Bammerlin & Schaufelberger Ende 2022 die Zahl der in Riehen domizilierten Schreinereien auf zwei zurück.

Autorin / Autor: Stefan Hess | Zuletzt aktualisiert am 5.4.2026

Artikel

Literatur

Jahrbuch z’Rieche

Hess, Stefan: Zwischen Hobelbank und Pflug. In: Jahrbuch z’Rieche 2012, S. 28–39.

Spriessler, Rolf: Von Dammplänen, einer Deponie, Hitzerekorden und Dorfgeschäften. In: Jahrbuch z’Rieche 2024.

Südbeck-Baur, Wolf: Bewegte Geschichte. In: Jahrbuch z’Rieche 2005.

Tramèr-Sallmann, Rosemarie et al.: Im Fischerhus unterwegs. In: Jahrbuch z’Rieche 1985.

Weitere Literatur

Hess, Stefan und Wolfgang Loescher: Möbel in Basel. Kunst und Handwerk der Schreiner bis 1798. Basel 2012. S. 22, 24 f., 56, 325f., 332, 342.

Kaspar, Albin: Häuser in Riehen und ihre Bewohner. Heft I. Riehen 1996. S. 25f., 33, 61.

Kaspar, Albin: Häuser in Riehen und ihre Bewohner. Heft II. Riehen 2000. S. 28, 59f.

Kaspar, Albin et al.: Häuser in Riehen und ihre Bewohner. Heft III. Riehen 2017. S. 53f. 103, 109, 163.

Kaspar, Albin et al.: Häuser in Riehen und ihre Bewohner. Heft IV. Riehen 2022. S. 21–24, 58, 126, 168f., 221f., 280, 292, 294.

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