Alfred Kuttler

1923–2012

Der auf Bau- und Bodenrechtsfragen spezialisierte Jurist Alfred Kuttler war von 1979 bis 1993 Mitglied des Schweizerischen Bundesgerichts. 1998 zog er mit seiner Frau nach Riehen, wo er 2012 verstarb.

Sohn des Albert Kuttler (Kaufmann) und der Rosina, geborene Meyer. Heirat 1952 mit Adelheid Frieda Bösiger (1924–2020). Zwei Töchter, ein Sohn.

Herkunft, Kindheit, Ausbildung und Heirat

Alfred Kuttler wurde am 28. September 1923 in Basel geboren. Seine Eltern waren der gleichnamige Revisor und spätere Kaufmann sowie Rosina, geborene Meyer. Kuttler wuchs am St. Johanns-Ring 45 auf und besuchte das Realgymnasium Kirschgarten. Ab 1943 studierte er an der Universität Basel Rechtswissenschaften.

1949 nahm die Juristische Fakultät Kuttlers Doktorarbeit mit dem Titel ‹Vertragliche Konkurrenzverbote. Ihre Behandlung nach schweizerischem und englischem Recht und ihre Bedeutung für das internationale Privatrecht› an. Zwei Jahre später erwarb er das Anwaltspatent und war anschliessend in einem Advokatur- und Anwaltsbüro tätig.

Am 31. Juli 1952 heiratete Alfred Kuttler Adelheid (Heidi) Bösiger. Das Paar zog zuerst an die Gellertstrasse 206, später an die Passwangstrasse 60. Es hatte zwei Töchter und einen Sohn.

Berufliche Tätigkeit in Basel

Anfang 1953 wurde Alfred Kuttler vom Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt zum Departementssekretär des Baudepartements gewählt. 1965 wurde ihm im gleichen Departement die Leitung der neugeschaffenen Rechtsabteilung übertragen. In beiden Funktionen setzte er sich für die Weiterentwicklung des kantonalen Bau-, Boden- und Enteignungsrechts ein. Er bemühte sich etwa um rechtliche Grundlagen für den Schutz von Grün- und Freiflächen. Dies trug dazu bei, dass das Bäumlihofareal freigehalten werden konnte. Zudem war Kuttler massgeblich an der Vorbereitung einer 1976 ins Hochbaugesetz aufgenommenen Bestimmung beteiligt, die den Gemeinden die Mitwirkung im Baubewilligungsverfahren ermöglichte.

1965 habilitierte er an der Universität Basel mit einer Arbeit über ‹Bodenverteuerung als Rechtsproblem›. Ab 1968 lehrte er dort als Privatdozent Verwaltungsrecht, insbesondere Bau- und Planungsrecht. 1973 wurde er zum ausserordentlichen Professor ernannt.

Von 1970 bis 1974 sowie von 1976 bis 1978 war Kuttler ausserdem Mitglied der Expertenkommission für das Bundesgesetz über die Raumplanung.

Tätigkeit als Bundesrichter

Im 6. Dezember 1978 wählte die Vereinigte Bundesversammlung auf Vorschlag der Freisinnigen Partei Alfred Kuttler zum Bundesrichter. Für diese neue Tätigkeit, die er Anfang 1979 aufnahm, verlegte er seinen Wohnsitz nach Le Mont-sur-Lausanne. Während seiner ganzen Amtszeit gehörte er der Ersten öffentlich-rechtlichen Abteilung des Bundesgerichts an. Von 1988 bis 1990 war er zudem Mitglied des ausserordentlichen Kassationshofs.

Ende 1993 trat Kuttler nach Erreichen der Altersgrenze als Bundesrichter zurück. Die ‹Neue Zürcher Zeitung› würdigte ihn bei dieser Gelegenheit als «Altmeister des Raumplanungs- und Baupolizeirechts».

Neben seinen beruflichen Tätigkeiten verfasste Kuttler zahlreiche Publikationen, insbesondere zu Fragen des Bau-, Planungs- und Enteignungsrechts. Daneben war er Mitherausgeber des Kommentars zum Bundesgesetz über die Raumplanung. Für seine Verdienste um die Rechtsetzung und Rechtsprechung im Bereich der Boden- und Raumplanung verlieh ihm die ETH Zürich 1982 die für einen Juristen seltene Ehrendoktorwürde der Technischen Wissenschaften.

Niederlassung in Riehen und letzte Lebensjahre

Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundesgericht blieb Alfred Kuttler noch bis Ende 1995 in der Redaktion des ‹Schweizerischen Zentralblatts für Staats- und Verwaltungsrecht›, der er bereits seit 1964 angehörte. Daneben veröffentlichte er noch einige Beiträge zu baurechtlichen Themen, zog sich aber sonst zunehmend aus dem öffentlichen Leben zurück.

1998 liess sich Alfred Kuttler gemeinsam mit seiner Frau am Esterliweg 131 in Riehen nieder, wo er am 28. Oktober 2012 starb. Neun Tage später fand in der Dorfkirche eine gut besuchte Abdankungsfeier statt.

Alfred Kuttler wurde auf dem Friedhof am Hörnli beigesetzt.

Autorin / Autor: Stefan Hess | Zuletzt aktualisiert am 1.10.2026

Fakten

Alfred
Kuttler
Kuttler-Bösiger
Prof. Dr. iur.
28.09.1923 in Basel
28.10.2012 in RIehen
Basel, Melchnau BE

Artikel

Literatur

Féraud, Michel, Heinz Aemisegger und Arthur Aeschlimann: Vorwort. In: Kuttler, Alfred: Beiträge zur Raumordnung als Weg und Ziel. Festgabe zum 80. Geburtstag des Verfassers. Zürich et al. 2003. S. VII–X.

Pagotto-Uebelhart, Jan: Alfred Kuttler. In: Historisches Lexikon der Schweiz. URL: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/043881/2016-04-28 (01.10.2026)

Schneider, Eduard: 150 und 125 Jahre Bundesgericht 1848–1998, 1875–2000. Bern 1998. S. 122, 163.

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