Emanuel Burckhardt

1744–1820

Emanuel Burckhardt, in Riehen geboren und getauft, machte Karriere in französischen und später neapolitanischen Militärdiensten. Ab 1802 war er Statthalter und Oberbefehlshaber auf Sizilien und wurde 1815 in den Grafenstand erhoben. Er starb 1820 in Palermo.

Sohn des Emanuel Burckhardt (Söldneroffizier; 1719–1765) und der Anna Maria, geborene Linder (1720–1787). Heirat 1783 mit Therese Münster. Eine Tochter, zwei Söhne.

Herkunft und Beginn der militärischen Laufbahn

Emanuel Burckhardt wurde am 25. November 1744 als drittes von zwölf Kindern und als ältester Sohn des Basler Ehepaars Emanuel und Anna Maria Burckhardt-Linder auf dem Landgut seiner Eltern in Riehen geboren und in der Dorfkirche getauft.

Bereits in jungen Jahren kam Burckhardt mit dem Militär in Kontakt: Sein Vater, der als Offizier in französischen Diensten stand, nahm den damals Zehnjährigen zu sich. Mit 15 Jahren wurde Burckhardt Kadett, später Fähnrich. Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) zeichnete er sich durch grosse Tapferkeit aus und erhielt dafür eine Auszeichnung. Gleichzeitig musste er einen schweren persönlichen Verlust verkraften: Sein Onkel Johannes Burckhardt fiel an seiner Seite.

Nach dem Tod des Vaters 1765 blieb er in französischen Diensten, im Regiment von Anton von Salis-Marschlins. In den folgenden, vergleichsweise friedlichen Jahren wirkte er an der Erarbeitung eines neuen Infanteriereglements für die französische Armee mit. 1783 heiratete er Therese Münster, die im selben Jahr eine Tochter gebar. Zwei Söhne folgten 1786 und 1793.

Eintritt in neapolitanische Dienste

1787 eröffnete sich Burckhardt eine neue berufliche Perspektive in den Königreichen Neapel und Sizilien. König Ferdinand IV. wollte seine Armee reformieren und bat den französischen König Louis XVI um Unterstützung. Unter der Leitung von Anton von Salis-Marschlins wurde daraufhin eine Gruppe fähiger Offiziere nach Süditalien entsandt. Dazu gehörte auch Burckhardt, der sich auf die neue Aufgabe mit einer Studienreise durch Deutschland und Österreich vorbereitete.

1788 wurde Burckhardt zum Obersten und Regimentskommandanten befördert. Auch nachdem von Salis-Marschlins beim neapolitanischen Hof in Ungnade gefallen war, konnte Burckhardt seine Stellung festigen und gewann weiter an Einfluss.

Mit Beginn der Revolutionskriege geriet König Ferdinand IV. zunehmend unter Druck. 1796 beteiligte sich Neapel gemeinsam mit England und Österreich an einem koordinierten Angriff auf die ‹römische Republik› im Kirchenstaat. Die von Burckhardt geführte Vorhut der neapolitanischen Armee marschierte in Rom ein. Der Feldzug endete jedoch in einer Katastrophe. Der neapolitanische Hof sah sich gezwungen, sich unter dem Schutz des englischen Admirals Horatio Nelson nach Palermo zurückzuziehen.

Burckhardts Fähigkeiten als Stratege und Truppenführer blieben trotz der Niederlage unbestritten. 1798 wurde er in Palermo mit der Neuorganisation der Armee betraut. Im folgenden Jahr beteiligte er sich an der Rückeroberung des Königreichs Neapel und zog erneut in Rom ein.

Statthalter von Sizilien

Nach Ferdinands Rückkehr nach Neapel 1802 ernannte dieser Burckhardt zum Statthalter von Sizilien und zum Oberbefehlshaber der dort stationierten Truppen. Neben der Verteidigung der Insel wurde er auch zur Beruhigung von Unruhen auf dem Festland eingesetzt. Dabei wies er auf Missbräuche von Gouverneuren hin; seine Berichte an den Hof zeugen von Verständnis für die Not der Bevölkerung.

Palermo wurde zum Lebensmittelpunkt Burckharts und seiner Familie. 1805 heiratete seine Tochter einen lokalen Adligen. Nach Napoleons Sieg bei Austerlitz musste der Hof von Neapel 1806 erneut nach Sizilien fliehen. In der Folge nahm der Einfluss Englands auf der Insel stark zu. 1812 und 1813 kam es in Palermo zu Unruhen.

Auch in dieser schwierigen Situation erwies sich Burckhart erneut als ausgleichende Kraft zwischen Hof, Bevölkerung und englischen Vertretern. Darüber hinaus gelang es ihm, steuerliche Massnahmen zur Senkung der Lebenshaltungskosten durchsetzen. Damit konnte er einen wichtigen Grund für die damaligen Revolten entschärfen.

Oberbefehlshaber aller Truppen im Königreich Neapel

Nach dem Zusammenbruch der napoleonischen Herrschaft kehrte Ferdinand IV. nach Neapel zurück. 1815 ernannte er Burckhardt zum Oberbefehlshaber sämtlicher Truppen des Königreichs und übertrug ihm nochmals die Aufgabe, die Armee zu reorganisieren. Im selben Jahr wurde Burckhardt in den Grafenstand erhoben.

Noch im gleichen Jahr kehrte der inzwischen 71-Jährige in seine frühere Stellung in Palermo zurück. Dort übernahm er 1819 eine weitere anspruchsvolle Aufgabe: die Organisation der ersten allgemeinen militärischen Aushebung in Sizilien. Dank seiner Popularität meisterte er auch diese.

1820 heirateten seine beiden Söhne Angehörige des führenden sizilianischen Adels; auch sie schlugen eine militärische Laufbahn ein. Der ältere von beiden erreichte später den Rang eines Generals. Unter dem Namen de Bourcard begründeten beide Söhne angesehene Familien.

Don Emanuele de Bourcard starb am 21. Mai 1820 als Träger der höchsten Auszeichnungen des Staates in seiner Wahlheimat Palermo.

Autorin / Autor: Felix Ackermann | Zuletzt aktualisiert am 24.9.2026

Fakten

Emanuel
Burckhardt
Emanuel Burckhardt-Münster
Don Emanuele de Bourcard
Graf
25.11.1744 in Riehen
21.5.1820 in Palermo (Sizilien)
Basel

Jahrbuch z’Rieche

Literatur

Jahrbuch z’Rieche

Raith, Michael: Leute aus dem Spittelhof. Das Burckhardtsche Gut und seine Bewohner. In: Jahrbuch z’Rieche 1996. S. 18–27, hier S. 22.

Schär, Werner: Der Spittelhof in Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1967. S. 86–89, hier S. 87.

Weitere Literatur

Burckhardt, August: Basler in fremden Diensten. 95. Neujahrsblatt herausgegeben von der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen. Basel 1917, S. 35.

Burckhardt-Biedermann, Theophil: Don Emanuel Burckhardt, Generalcapitain des Königreiches beider Sizilien. In: Basler Jahrbuch 1883, S. 111–173.

d’Ayala, Mariano: Le vite de’ più celebri capitani e soldati napoletani, I. e II. quaderno. Napoli 1843, hier S. 27–37.

Dill, Ueli: Emanuel Burckhardt. In: Historisches Lexikon der Schweiz. URL: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/023373/2012-05-07 (24.09.2026).

Knight, Carlo: Emanuel de Bourcard, generalissimo svizzero al servizio di Ferdinando IV di Borbone. Atti della accademia pontiniana. N.S 40. Napoli 1991. S. 223–252.

Säuberlin, Ludwig: Stammbaum der Familie Burckhardt in Basel, Nachkommen von Christof Burckhardt und Gertrud Brand, 1490–1893. Basel 1893. Taf. IV D und IV E.

Vögelin, Hans Adolf: Militärs in fremden und in einheimischen Diensten. In: ckdt. Streiflichter auf Geschichte und Persönlichkeiten des Basler Geschlechts Burckhardt. Basel 1990. S. 220–235, hier S. 225–230

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