Trinette Bindschedler

18251879

Sr. Trinette Bindschedler war die erste Oberin der Diakonissengemeinschaft Riehen. Sie leitete diese während 27 Jahren, von 1852 bis 1879.

Tochter des Gerold Bindschedler (Direktor einer Baumwollspinnerei) und der Susanna, geborene Bindschedler. Drei Geschwister.

Katharina Bindschedler wurde am 28. Oktober 1825 in Münchenstein geboren und wuchs mit ihren drei Geschwistern in einem sehr religiösen Haushalt in Haagen im Wiesental bei Lörrach (D) auf. Ihr Rufname ‹Trinette› stammt aus dieser Zeit.

Bindschedler erhielt zunächst Privatunterricht beim Pfarrer von Brombach (heute ein Stadtteil von Lörrach). Danach besuchte sie während zwei Schuljahren das Töchterinstitut des Sozialpädagogen und Pietisten Carl Köllner in Sitzenkirch bei Kandern (D). Von 1837 bis 1839 war sie in einem von einer Frau Perrachet geführten Internat in Yverdon (VD).

1841 lernte sie in Genf den Pfarrer und Kirchenliedkomponisten Henry Abraham César Malan (1787–1864) kennen, eine wichtige Figur der europäischen Erweckungsbewegung. 1842 liess sich Bindschedler konfirmieren. Danach kehrte sie ins Elternhaus nach Münchenstein zurück, wo sie neben haushälterischen Tätigkeiten auch Krankenbesuche machte und die Sonntagsschule für Fabrikarbeiterkinder leitete.

Bindschedlers Elternhaus war ein Treffpunkt evangelisch gesinnter Gelehrter. Dort lernte sie Christian Friedrich Spittler kennen. Dieser war Anhänger der aus dem Pietismus erwachsenen antimodernistischen Erweckungsbewegung und Gründer zahlreicher ‹missionarisch-diakonischer Reichgotteswerke›.

1852 bot Spittler der damals 27-jährigen Bindschedler die Leitung der neu gegründeten Diakonissengemeinschaft in Riehen an. Sie akzeptierte und besuchte als Vorbereitung die Diakonissenhäuser in Strassburg und Kaiserswerth am Rhein (seit 1929 ein Stadtteil von Düsseldorf). Am 7. Oktober 1852 zog sie ins Diakonissenhaus Riehen, wo sie am 11. November der Ortspfarrer als erste Oberin ins Amt einsegnete. 1853 übernahm Sr. Trinette Bindschedler die Leitung der Diakonissengemeinschaft.

Im Anschluss an die Generalkonferenz in Kaiserswerth 1861, wo die Notwendigkeit eines geistlichen Vorstehers in Diakonissengemeinschaften thematisiert wurde, schrieb sie in ihr Notizbuch: «Nach der ganzen Anlage unseres Werks sei es schwierig, einem Manne die Zügel in die Hand zu geben. – Ein Haus verliert dadurch gerne den weiblichen Charakter». Entsprechend trat sie bis 1875 als Vorsteherin der Diakonissengemeinschaft auf und übernahm auch seelsorgerische Tätigkeiten und den Bildungsauftrag des Hausgeistlichen. Zusammen mit Dr. Martin Burckhardt-His (1817–1902) unterrichtete Trinette Bindschedler die Diakonissen in der Krankenpflege, leitete Hausandachten, legte Bücher des Neuen Testaments aus und betreute die Apotheke.

Während ihrer Amtszeit stieg die Zahl der Diakonissen stark an. 1882 zählte die Gemeinschaft bereits 85 Schwestern. Neben dem Diakonissenhaus und dem Diakonissenspital führten die Schwestern Kinderkrippen, besuchten Gefangene in Strafanstalten und leisteten Dienst in Spitälern in Basel, Schaffhausen oder Münsterlingen. Sr. Trinette Bindschedler besuchte die Schwestern auf ihren Aussenstationen und korrespondierte mit ihnen. Ab ihrem 50. Lebensjahr (1875) wurde sie von ihren Mitschwestern ‹Mutter› genannt.

Während ihrer Amtszeit verfasste Sr. Trinette Bindschedler zahlreiche Dokumente, die über die Alltagswelten der Diakonissen berichten: Monatsberichte (Chronikhefte mit Patientenlisten und Krankheitslisten), Notizbücher, Reiseberichte, Briefe und Tagebücher.

Im Herbst 1879 erkrankte Sr. Trinette Bindschedler an Typhus. Am 14. Dezember 1879 starb sie im Alter von 54 Jahren in Riehen.

Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 9.5.2022

Fakten

Katharina
Bindschedler
28.10.1825 in Münchenstein (heute BL)
14.12.1879 in Riehen
Männedorf (ZH)

Archive

Archiv Kommunität Diakonissenhaus Riehen

Sämtliche Tage- und Notizbücher, Briefe, Manuskripte, Reise- und Monatsberichte von Trinette Bindschedler sind im Archiv der Kommunität Diakonissenhaus Riehen verfügbar.

Staatsarchiv Basel-Stadt

Briefe der Sr. Trinette Bindschedler 1852–1865: PA 653a L. 1.1.

Dossier Bindschedler, Trinette, Haagen, Mülhausen: PA 653a V. 131.

Literatur

Barth, Samuel: Schwester Trinette, ein Diakonissenleben. Basel 1883.

Heim, Urs F. A.: Trinette Bindschedler (1825–1879). In: ders.: Leben für Andere. Die Krankenpflege der Diakonissen und Ordensschwestern in der Schweiz. Basel 1998. S. 107–111.

Hoch, Fritz: Aus den Tagebüchern und Monatsberichten von Oberschwester Trinette Bindschedler. In: Hundert Jahre Diakonissenanstalt Riehen. 1852–1952. Basel 1952. S. 31–37.

Kaegi, Johann Jacob: Eben Ezer. Das Diakonissenhaus Riehen 1852–1902. Mitteilungen aus der Geschichte seines Werdens und Wirkens. Riehen 1902.

Kellerhals, Doris: Unbändige Liebe zu Gott und den Menschen. Trinette Bindschedler. In: Brodbeck, Doris: Dem Schweigen entronnen. Religiöse Zeugnisse von Frauen des 16. bis 19. Jahrhunderts. Würzburg 2006. S. 101–113.

Kellerhals, Doris und Lukrezia Seiler: Trinette Bindschedler (1825–1879). In: Hauf, Adelheid M. von (Hg.): Frauen gestalten Diakonie. Bd. 2: Vom 18. bis 20. Jahrhundert. Stuttgart 2006. S. 318–336.

Seiler, Lukrezia: Das grosse Werk beginnt. Trinette Bindschedler (1825–1879), erste Oberschwester des Diakonissenhauses von 1852 bis 1879. In: Kellerhals, Doris et al. (Hg.): Zeichen der Hoffnung: Schwesterngemeinschaft unterwegs. Basel 2002. S. 14–23.

Stückelberger, Karl: Oberschwester Trinette Bindschedler. In: Stückelberger, Karl: Ein Neues «Eben Ezer». Das Diakonissenhaus Riehen in seinem Werden und Wirken 1852–1927. Basel 1927. S. 15–18, 46f., 51–53.

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