Marguerite van Vloten

18941972

Sr. Marguerite van Vloten war von 1935 bis 1972 während 37 Jahren Oberin der Diakonissengemeinschaft Riehen.

Tochter des Franz van Vloten (Pharmakologe und Industrieller) und der Ida, geborene Arnold. Ein Bruder, vier Schwestern.

Marguerite van Vloten kam am 8. November 1894 als ältestes von sechs Geschwistern in St. Gallen zur Welt. Dort besuchte sie die Schulen und schloss als eine der ersten Frauen das Gymnasium mit einer Matura ab. 1916 begann sie ein Studium der Literatur- und Kunstgeschichte an der Universität Zürich, machte jedoch keinen Abschluss. Ab 1918 liess sie sich an der Rotkreuzschule Lindenhof in Bern zur Krankenpflegerin ausbilden.

Danach nahm sie eine Stelle als Gemeindeschwester in St. Gallen an. Sie blieb Gemeindeschwester, bis sie am 7. April 1935 die Nachfolge von Sr. Helene Claus-Auberlen (1854–1946) als Oberin der Diakonissengemeinschaft Riehen antrat. Sr. Marguerite van Vloten blieb bis kurz vor ihrem Tod 1972 im Amt.

Van Vloten war als Enkelin des ersten Leiters der Taubstummenanstalt Riehen, Wilhelm Arnold, mit Riehen und der pietistischen Bewegung bereits vertraut.

Besonders gefordert war Sr. Marguerite van Vloten während des Zweiten Weltkriegs. In dieser Zeit leisteten die aktiven Schwestern pflegerischen Dienst in den Militärsanitätsanlagen. Die betagten Schwestern schickte Sr. Marguerite van Vloten zu deren Sicherheit nach Adelboden und Genf.

Nach dem Krieg trat Sr. Marguerite van Vloten in den Vorstand der Diakonia, einer internationalen Vereinigung diakonischer Hilfswerke. Die Vereinigung bemühte sich um die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen den Diakonissenhäusern im Nachkriegseuropa.

Zudem war sie als Oberin massgeblich beteiligt am Ausbau der Krankenschwesternschule, an der Gründung einer Haushaltungsschule für Mädchen, der sogenannten Marthaschule (1938), und der ersten schweizerischen Pflegerinnen-Schule (1958) im Moosrain, am Ausbau des Diakonissenspitals (1939) und an der Planung des neuen Feierabendhauses (1972).

Während Sr. Marguerite van Vlotens Amtszeit erreichte die Diakonissengemeinschaft ihre höchste Mitgliederzahl mit 592 Schwestern, die in Riehen und auf Aussenstationen arbeiteten. Die Gemeinschaft schrumpfte in der Nachkriegszeit kontinuierlich, bis sie 1972, am Ende von Sr. Marguerite van Vlotens Amtszeit, nur noch 395 Schwestern zählte, viele davon bereits im Ruhestand. Im März 1972 gab Sr. Marguerite van Vloten ihr Amt an ihre Nachfolgerin Sr. Elsy Weber (1919–1999) weiter und trat in den Ruhestand.

Wenige Wochen später, am 11. April 1972, starb Sr. Marguerite van Vloten in Riehen. Sie ist bestattet auf dem Gottesacker Riehen.

Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 11.8.2022

Fakten

Maria Margaretha
Vloten, van
08.11.1894 in St. Gallen
11.04.1972 in Riehen
Schaffhausen

Artikel

Jahrbuch Riehen

Werke (Auswahl)

Hoch, Fritz und Margarete van Vloten (Hg.): Er hilft den Elenden herrlich. Aus Briefen von Schwester Trinette. Riehen 1943.

Archive

Archiv Kommunität Diakonissenhaus Riehen

Nekrolog von Margarete van Vloten.

Staatsarchiv Basel-Stadt

Stähelin-Kutter, Ernst: Ansprache als Vertreter des Kirchenrates Basel-Stadt bei der Einsegnung und Amtseinführung von Marguerite van Vloten zur Oberschwester des Diakonissenhauses Riehen (1935): PA 182a B 85 F 1.8.

Nachruf von Margarete van Vloten: LA 1972 04 11.

Literatur

Jahrbuch z’Rieche

Hoch, Fritz: Zum Andenken an Diakonisse Marguerite van Vloten. In: Jahrbuch z’Rieche 1973. S. 82–84.

Weitere Literatur

Seiler, Lukrezia: Am Wendepunkt. Marguerite van Vloten (1894–1972). Oberschwester des Diakonissenhauses von 1935 bis 1972. In: Kellerhals, Doris et al. (Hg.): Zeichen der Hoffnung: Schwesterngemeinschaft unterwegs. Basel 2002. S. 48–55.

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