Magdalena Sieglin

18091883

Magdalena Sieglin war eine gebildete, zeitlebens ledige Frau aus dem gehobenen Riehener Bauernstand. Über einen Zeitraum von 30 Jahren notierte sie in einer Chronik ihre Beobachtungen zur Witterung und zu Ereignissen im landwirtschaftlichen Alltag.

Tochter des Johannes Niklaus Sieglin (1783–1835; Landwirt) und der Anna Maria, geborene Schultheiss (1787–1840). Ledig.

Herkunft und Schule

Magdalena Sieglin wurde am 4. Februar 1809 als zweite Tochter von Niklaus und Anna Maria Sieglin-Schultheiss in Riehen geboren. Sie wuchs mit zwei Schwestern – zwei weitere Geschwister starben im Kleinkindalter – auf dem Bauerngut ‹Im Höflin› an der Baselstrasse 28 auf.

Magdalenas Eltern gehörten der pietistischen Brüdergemeine an und ermöglichten ihr ab 1823 einen längeren Aufenthalt im Mädchenpensionat Montmirail in der heutigen Gemeinde La Tène im Kanton Neuenburg. Die schlossähnliche Anlage befand sich seit 1742 im Besitz der Herrnhuter Brüdergemeine und diente seit 1766 als ‹Töchterschule›. Die Schülerinnen – Mädchen aus unterschiedlichen sozialen Kreisen und aus ganz Europa – erhielten einen breit gefächerten Unterricht in einem familienähnlichen Umfeld. Der dortige Aufenthalt übte gemäss ihrer Leichenrede «einen tiefgehenden Einfluss auf sie aus». Aus dieser Zeit (1824) sind einige Briefe des Vaters an seine Tochter erhalten.

Madgalenas Vater war vermögender Grossbauer, bekleidete verschiedene öffentliche Ämter, unter anderem 1810–1811 als Gemeindepräsident. 1828 erwarb er das benachbarte Neue Wettsteinhaus, in das die Familie einzog. Die Liegenschaft Baselstrasse 28 wurde weiterhin für den Bauernbetrieb genutzt und das Haus teilweise vermietet.

Leben als ledige Frau

Magdalena Sieglin blieb ledig und wohnte bis zu ihrem Lebensende im Neuen Wettsteinhaus, auch als nach dem Tod der Eltern die verheiratete Schwester Anna Barbara (1814–1874) und deren Ehegatte Heinrich Unholz die Liegenschaft übernahmen. Magdalena Sieglin arbeitete im Unholz-Haushalt und in der Landwirtschaft mit. Zudem half sie in ihrer Umgebung, wo es nötig war, und führte – wie es die Leichenrede hervorhebt – als «lebendiges Glied der Gemeinde Christi» ein frommes und der Fürsorge verpflichtetes Leben. Als ihr Schwager und kurz darauf auch ihre Schwester starben, ersetzte sie ihren drei Nichten die Mutter und deren Kindern die Grossmutter. Magdalena Sieglin starb in ihrem 75. Lebensjahr, wenige Tage nach einem Schlaganfall.

Chronik

Magdalena Sieglin hat ein Bündel handgeschriebener Hefte hinterlassen. Auf dem Deckblatt steht in flüssiger, gut leserlicher Schrift: «Cronik – Angefangen im Jahr 1845 von Magdalena Sieglin.»

Darin notiert Magdalena Sieglin 30 Jahre lang Beobachtungen zum Wetter und den entsprechenden Naturereignissen («2. Juli hat ein sanfter Regen das dürre Erdreich erquickt»). Die Informationen betreffen vor allem Bereiche, die für den landwirtschaftlich geprägten Alltag im Vordergrund stehen. Oft sind es summarische Berichte, die einen Monat umfassen, teilweise ist Sieglin ausführlicher. Regelmässig führt sie Angaben über die Feldarbeit an («man hat erst im April angefangen Reben abdecken und Erdäpfel setzen»), über Ernten («hat sehr wenig Äpfel gegeben, die frühen sind alle krank geworden») und schwankende Preise («das Fleisch kostet 58 Centimes, Rindfleisch 60»). Gelegentlich berichtet sie über besondere Ereignisse im Dorf («15. April 1864 ist Johann Schäubli nach Amerika»). Ganz selten erscheint ein Eintrag zu einem politischen oder entfernteren Thema («1870 – Ende Juli ist der Krieg zwischen Deutschland und Frankreich ausgebrochen»). Persönliche Mitteilungen fehlen dagegen ganz.

Autorin / Autor: Caroline Schachenmann | Zuletzt aktualisiert am 28.1.2024

Fakten

Magdalena
Sieglin
04.02.1809 in Riehen
25.11.1883 in Riehen
Riehen

Artikel

Jahrbuch Riehen

Archive

Dokumentationsstelle Riehen

RIE C WenkJ 6/01: Cronik. Angefangen im Jahr 1845. von Magdalena Sieglin.

Staatsarchiv Basel-Stadt

Zur Erinnerung an Jungfrau Magdalena Sieglin von Riehen. Basel 1883 (Leichenrede).

Literatur

Jahrbuch z’Rieche

Seiler, Lukrezia: Klima im Wandel. Die Launen des Wetters. Chronik der Magdalena Sieglin. In: Jahrbuch z’Rieche 2000. S. 88–101.

Weitere Literatur

Kaspar, Albin et al.: Häuser in Riehen und ihre Bewohner. Heft III. Riehen 2017. S. 137–139, 143, 147.

Schulz, Volker: Montmirail als Schul-Ort – ein Abriss anhand von Jahreszahlen. In: Zeitschrift der Herrnhuter Brüdergemeine in der Schweiz 12 (2016). Ohne Seitenzahlen.

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