Helen Hauri

19151987

Helen Hauri war 1968 eine von 14 Frauen, die – zwei Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts im Kanton Basel-Stadt – in den Grossen Rat gewählt wurden. Auch in Riehen gehörte sie zu den ersten Frauen, die 1970 in den Weiteren Gemeinderat Einzug hielten.

Tochter des Paul Alfred Hauri (leitender Betriebsingenieur am Gas- und Wasserwerk Basel) und der Seline, geborene Burkhardt.

Ausbildung und Lehrtätigkeit

Helen Hauri kam am 23. April 1915 in Basel zur Welt und wuchs in Riehen auf. Nach Abschluss des Basler Mädchengymnasiums immatrikulierte sie sich 1935 an der Universität Basel und studierte Philologie. Sie absolvierte je ein Auslandsemester an der Sorbonne in Paris, an der Universität Exeter in England und an der Universität Perugia in Italien. Während ihrer Studienzeit legte sie die Prüfung zur Mittellehrerin ab und begann 1938 ihre Lehrtätigkeit als Vikarin an der Mädchenrealschule (MRS) in Basel. 1944 bestand sie ausserdem das Oberlehrerinnen-Examen und schloss ihr Studium mit dem Doktortitel ab.

1945 wurde sie an der MRS angestellt und unterrichtete Französisch, Italienisch, Deutsch und Englisch. 1957 übernahm sie das Rektorat der Schule. Ausserdem präsidierte sie 1966 die Koordinationskommission für Fremdsprachenunterricht der Nordwestschweizerischen Erziehungsdirektorenkonferenz.

Pionierin der politischen Gleichstellung

Nach der Einführung des Frauenstimmrechts im Kanton Basel-Stadt 1966 kandidierte Hauri als Parteilose auf der Liste des Landesrings der Unabhängigen (LdU) für den Grossen Rat. Sie war eine von 14 Frauen, die 1968 erstmals in die Basler Legislative gewählt wurden.

Zwei Jahre später wurde sie als Vertreterin des LdU in den Weiteren Gemeinderat (heute Einwohnerrat) Riehen gewählt. Sie gehörte zusammen mit Gret Im Hof (LDV, heute LDP), Sr. Elsbeth Stuber und Elisabeth Arnold von der Vereinigung Evangelischer Wähler (VEW, heute EVP) zu den ersten Frauen, die 1970 Einzug in die Riehener Legislative hielten.

1975 wechselte sie zur Liberal-demokratischen Partei (LDP). Sie gab 1976 die Leitung der Mädchenrealschule auf und trat 1980 als Grossrätin zurück.

Hauri setzte sich in zahlreichen Fachkommissionen für die Erneuerung des Fremdsprachenunterrichts in der Schweiz ein. Für ihre Verdienste um den Französischunterricht in der deutschsprachigen Schweiz ernannte sie Frankreich 1980 zum ‹Chevalier dans l’Ordre des Palmes Académiques›.

Helen Hauri starb am 9. November 1987 in Riehen.

Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 10.5.2022

Fakten

Helene Elisabeth
Hauri
23.04.1915 in Basel
09.11.1987 in Riehen
Hirschthal (AG) und ab 1959 Riehen

Artikel

Werke (Auswahl)

Fato e religiosità nell’opera di Grazia Deledda. Dissertation. Lugano 1947.

Basler Versuche mit audiovisuellem Französischunterricht. In: Schweizer Schule. Bd. 57, Heft 2 (1970). S. 61–68. URL: doi.org/10.5169/seals-527713 (22.11.2021).

Frühbeginn des Fremdsprachunterrichts? Enseignement précoce des langues vivantes? In: Wissenschaftspolitik 3 (1974). S. 361–367, 369–375.

Didaktik und Methodik des Französischunterrichts vom 4./5. Schuljahr an. Informationen und Ergebnisse der von der Nordwestschweizerischen Erziehungsdirektorenkonferenz veranstalteten Kaderseminare: Grundlagen des Sprachunterrichts, Sigriswil, November 1978, Praxis des Französischunterrichts, Solothurn, Grenchen, Mai 1979. Redigiert von Helen Hauri und Hans Weber. Genf 1980.

Archive

Gosteli Stiftung Worblaufen

Hauri, Helen. 1 Dossier: 2657.

Schweizerisches Wirtschaftsarchiv

Dokumentensammlung von Hauri Helen (1915–1987), 1975–1987: SWA Biogr. Hauri, Helen. (2 Zeitungsartikel)

Staatsarchiv Basel-Stadt

Sammlung biographischer Zeitungsauschnitte: 9 Zeitungsartikel.

Personalakte von Amtsvorsteherinnen: Hauri, Helen, Dr., 1988: ED-REG 1b 3 (1) 8.

Literatur

Schachenmann, Caroline: Gelebtes Leben zwischen Riehen und Basel. Biografische Skizzen von Frauen aus fünf Jahrhunderten. In: Hess, Stefan (Hg.): Basel und Riehen. Eine gemeinsame Geschichte. Basel 2021. S. 123–137, hier S. 134–136.

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