Hans Frei

18681947

Hans Frei war ein bedeutender Medailleur und Graveur. Er lebte ab 1920 mit seiner Familie in Riehen, wo er auch sein Atelier betrieb. Von ihm stammt der Brunnen zum 400-Jahr-Jubiläum der Vereinigung Riehens mit Basel an der Tramhaltestelle Burgstrasse.

Sohn des Matthias Frei (Sägemeister) und der Barbara, geborene Küttel. Heirat 1899 mit Emma Wenk von Riehen (1877–1971). Drei Töchter.

Kindheit und Ausbildung

Hans Frei wurde als Sohn des aus dem Kanton Aargau stammenden Sägemeisters Matthias Frei am Sägergässlein in Kleinbasel geboren. Nach der obligatorischen Schulzeit und einer abgebrochenen Tapeziererlehre absolvierte er in Basel eine Graveurlehre. Nach Abschluss der Lehrzeit arbeitete Frei zunächst bei seinem früheren Lehrmeister und besuchte daneben Abendkurse im Zeichnen und Modellieren an der ‹Zeichnungs- und Modellierschule› der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige. 1889 begab er sich auf eine Gesellenwanderung, die ihn nach München, Wien, Böhmen, Dresden, Berlin, Hamburg, Bremen und Köln führte. In Wien nahm er auch Unterricht an der Goldschmiede- und Ziselierschule von Stefan Schwartz.

Dank Stipendien konnte Frei 1893 die Ecole des Arts Industriels und die Ecole des Beaux-Arts in Genf sowie ab 1894 die Ecole des Arts Décoratifs und die Académie Julian in Paris besuchen. Daneben arbeitete er in den Bildhauerateliers von Félix Charpentier und Denys Puech und nahm bereits 1894 seine selbstständige Tätigkeit als Ziseleur und Medailleur auf.

Rückkehr in die Schweiz und Heirat

1898 kehrte Frei nach Basel zurück, behielt aber bis 1908 ein zweites Atelier in Paris, wo er auch seine Medaillen prägen und giessen liess. 1899 heiratete er Emma Wenk, die jüngste Tochter des im Vorjahr verstorbenen früheren Riehener Gemeindepräsidenten Hans Wenk-Marder und der Marie Wenk-Marter. Im gleichen Jahr trat er der Schweizerischen Numismatischen Gesellschaft bei. Frei etablierte sich zum gefragtesten Medailleur in der Schweiz und erhielt an internationalen Ausstellungen mehrere Preise. Neben seiner Arbeit unternahm er Studienreisen nach Italien, in die Rheinlande, nach Holland, Belgien und München.

Niederlassung in Riehen, letzte Lebensjahre und Gedächtnisausstellung

1920 zogen Hans und Emma Frei-Wenk mit den beiden jüngeren Töchtern nach Riehen in ein neues Haus an der Äusseren Baselstrasse 121 bei der Tramhaltestelle Pfaffenloh, wo der Künstler bereits zwei Jahre zuvor ein Atelier hatte bauen lassen. In der Zwischenkriegszeit blieb Frei ein angesehener, auch international beachteter Medailleur. In seinem Atelier arbeitete auch seine mittlere Tochter Hedwig Frei, die sich ebenfalls zur Bildhauerin und Medailleurin ausbilden liess. 1941 erlitt Hans Frei einen Schlaganfall und musste, da einseitig gelähmt, seine künstlerische Tätigkeit einstellen. Nach langer Krankheit starb er am 14. März 1947 in Riehen. Die Abdankung fand vor der Kremation fünf Tage später in der Abdankungshalle des Friedhofs am Hörnli statt.

Vom 28. April bis 12. Mai 1868 fand unter dem Patronat des Gemeinderats zum 100. Geburtstag von Hans Frei im Gemeindehaus von Riehen eine Gedächtnisausstellung statt, in der auch das malerische und zeichnerische Werk gewürdigt wurde.

Werk

Freis Werk umfasst mehr als 450 gegossene und geprägte Medaillen und Plaketten für Jubiläen und sonstige Anlässe, für Vereinigungen und Privatpersonen. Darunter befinden sich auch zwei Medaillen zum 400-Jahr-Jubiläum der Zugehörigkeit Riehens zu Basel im Jahr 1923, eine davon als Geschenk der Gemeinde Bettingen an die Gemeinde Riehen, sowie eine Medaille zum ‹Baselstädtischen Sektions- und Einzelwetturnen› von 1930, das auf dem Sportplatz Grendelmatte in Riehen stattfand. Daneben stellte Frei wiederholt Medaillen und Plaketten mit Porträts von sich, seiner Frau und seiner Töchter sowie seiner Schwiegermutter Marie Wenk-Marder her.

Zu Freis Œuvre gehören überdies Metallreliefs für Grab- und Denkmäler, etwa für Albert Anker in Ins, und einzelne Rundplastiken. So schuf er die weibliche Bronzefigur für den 1925 errichteten Brunnen bei der Tramhaltestelle Burgstrasse, der vom Verkehrsverein Riehen und dem Wasserwerk anlässlich der ‹Vereinigungsfeier› von 1923 gestiftet worden war.

Auch als erfolgreicher Medailleur führte Frei weiterhin unterschiedliche Goldschmiede-, Graveur- und Ziseleurarbeiten aus, schuf auch Tafelaufsätze und Schmuck. Zudem betätigte er sich als Zinngiesser; zum erwähnten Jubiläum von 1923 fertigte er etwa einen Zinnteller mit einem Basler Fähnrich an, der sich schirmend über das Riehener Wappen stellt.

Autorin / Autor: Stefan Hess | Zuletzt aktualisiert am 30.6.2024

Fakten

Hans
Johann
Frei
Frei-Wenk
30.04.1868 in Basel
14.03.1947 in Riehen
Riehen und Zuzgen (AG)

Artikel

Jahrbuch Riehen

Werke (Auswahl)

Aufgrund einer Schenkung der Tochter Hedwig Frei im Jahr 1950 besitzt das Historische Museum Basel die grösste Sammlung von seinen Werken. Weitere Werkgruppen befinden sich im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich, im Koninklijk Penningkabinet in Leiden, im Cabinet des Médailles de la Bibliothèque Nationale in Paris und in mehreren deutschen Museen.

 

Die Gemeinde Riehen ist im Besitz von zwei Werken Hans Freis:

- Geneviève Domec, Bleistiftzeichnung, 1913

- Jubiläumsbrunnen mit weiblicher Bronzefigur bei der Einmündung der Burgstrasse in die Äussere Baselstrasse, 1925

 

Archive

Staatsarchiv Basel-Stadt

Sammlung biographischer Zeitungsauschnitte: 13 Zeitungsartikel.

Literatur

Jahrbuch z'Rieche

Aeppli, Hermann: Der Riehener Medailleur Hans Frei. In: Jahrbuch z’Rieche 1966. S. 69–86.

Krattiger, Hans: Der Künstler Hans Frei. In: Jahrbuch z’Rieche 1968. S. 43–45.

 

Weitere Literatur

Aeppli, Hermann: Der Schweizer Medailleur Hans Frei. Basel 1933.

Friedländer, Ueli: Hans Frei. In: Historisches Lexikon der Schweiz. URL: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/022029/2022-07-21/ (21.12.2022).

Hofer, Paul F.: Das Werk Hans Frei’s. In: Revue suisse de numismatique / Schweizerische numismatische Rundschau / Rivista svizerra di numismatica 25 (1930). S. 37-68. URL: https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=snr-003:1930:25::459 (22.12.2022)

Künstlerlexikon der Schweiz XX. Jahrhundert. Bd. 1. Frauenfeld 1958–1961. S. 309f.

Lugrin, Ernest: Hans Frei et son Œuvre comme médailleur. In: Revue suisse de numismatique / Schweizerische numismatische Rundschau 15 (1909). S. 180–211. URL: https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=snr-002:1909:15::465#193 (21.22.2022).

Mayer, Albrecht: Medailleur Hans Frei †. In: Schweizer Kunst / Art suisse / Arte svizzera. 1947. S. 37. URL: https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=swk-001:1947:0#287 (21.12.2022)

Mayer, Albrecht: Hans Frei. In: Basler Jahrbuch 1949. S. 70–74. URL: https://www.baslerstadtbuch.ch/stadtbuch/1949/1949_0879.html (21.12.2022)

Meili, Julius: Die Werke des Medailleur’s Hans Frei in Basel 1894–1906. Zürich 1906.

Schärli, Beatrice und Philipp Gafner: Hans Frei-Wenk. In: SIKART. Lexikon zur Kunst in der Schweiz. URL: https://www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx?id=4023043 (21.12.2022)

 

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