Hans Bernoulli

18761959

Hans Bernoulli war Architekt und Anhänger der Freiwirtschaftslehre. Er verpflichtete sich dem sozialen Wohnungs- und Städtebau. In Riehen gibt es verschiedene Bauten von Bernoulli. Am Rütiring 12 und am Vierjuchartenweg 32 verwirklichte er zwei Prototypen des funktionalen Häuserbaus.

Sohn des Theodor Bernoulli (Notariatsangestellter) und der Anna Maria, geborene Bider. Heirat 1904 mit Anna Ziegler (Krankenschwester, Hebamme). Drei Kinder.

Hans Bernoulli kam am 17. Februar 1876 in Basel zur Welt. Er besuchte die Schulen in Basel. Das Gymnasium brach er ab, ebenso eine kaufmännische Lehre. Ab 1894 lernte er Bauzeichner bei Alfred Romang und Wilhelm Bernoulli in Basel. Danach studierte er von 1897 bis 1898 Architektur an der Technischen Hochschule München und 1900 an der Technischen Hochschule Karlsruhe.

1903 liess sich Bernoulli in Berlin nieder und eröffnete sein eigenes Architekturbüro. Am 27. April 1904 heiratete er in Dresden Anna «Anni» Ziegler (1873–1953), die Tochter des evangelischen Pfarrers Heinrich Ziegler.

Bernoulli zog im Frühling 1912 nach Basel. Dort war er bis 1918 leitender Architekt der Basler Baugesellschaft. 1918 eröffnete er ein eigenes Architekturbüro, das er bis 1927 betrieb.

Daneben lehrte Bernoulli an der ETH Zürich Städtebau, zuerst von 1912 bis 1918 als Privatdozent, dann von 1919 bis 1926 und von 1929 bis Ende 1938 als Titularprofessor. Ab 1930 unterrichtete er auch an der Allgemeinen Gewerbeschule Basel. 1938 wurde ihm vom Schweizerischen Schulrat aufgrund seiner politischen Gesinnung die Lehrerlaubnis an der ETH entzogen. Im selben Jahr verlegte er seinen Wohnsitz für drei Jahre nach Riehen an den Bettingerweg 22. Im Juli 1940 zog er zurück nach Basel und beendete im selben Jahr seine Lehrtätigkeit an der Allgemeinen Gewerbeschule.

Als Anhänger von Silvio Gesells (1862–1930) Freiwirtschaftslehre war Bernoulli der Ansicht, dass der Boden zu verstaatlichen und damit der Spekulation zu entziehen sei. In Anlehnung an die Ideen der Gartenstadtbewegung betrieb er mittels Architektur Wohnpolitik und entwickelte beispielsweise Wohnungs- und Haustypen für einkommensschwache Familien.

Bernoulli baute 1921 in Riehen das Haus Riggenbach am Oberen Kreuzenweg 20, 1933 ein zweigeschossiges Holzhaus am Rütiring 12 und 1934 ein ähnliches Haus am Vierjurchartenweg 32. Seine Bauten zeichnen sich durch Funktionalität und formale Reduktion aus.

1946 entwarf Bernoulli in Zusammenarbeit mit der Firma Nielsen-Bohny & Cie., die in der Nachkriegszeit ein schlichtes und günstiges Fertighaussystem entwickelte, den sogenannten NILBO Kindergarten am Langenlängeweg in Riehen.

Von 1935 bis 1942 sass Bernoulli als Vertreter des Freiwirtschaftsbunds im Grossen Rat des Kantons Basel-Stadt und war Mitglied des Bankrats der Basler Kantonalbank. Von 1947 bis 1951 war Bernoulli Nationalrat und gehörte der Fraktion des Landesrings der Unabhängigen (LdU) an.

Daneben arbeitete Bernoulli als Redaktor für verschiedene Zeitschriften und schrieb gesellschaftskritische Lyrik.

Am 22. November 1947 zeichnete ihn die Philosophisch-Historische Fakultät der Universität Basel mit der Ehrendoktorwürde aus.

Hans Bernoulli starb am 12. September 1959 in Basel. Sein Nachlass befindet sich im Archiv der ETH Zürich.

Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 19.4.2022

Fakten

Hans Benno
Bernoulli
17.02.1876 in Basel
12.09.1959 in Basel
Basel

Artikel

Jahrbuch Riehen

Werke (Auswahl)

Publizistisches Werk (Auswahl)

Die organische Erneuerung unserer Städte. Ein Vorschlag. Basel 1942.

Die Stadt und ihr Boden. Towns and the Land. Erlenbach-Zürich 1946.

Gartenstädte – endlich in Sicht? In: Plan. Zeitschrift für Planen, Bauen und Umwelttechnik. Bd. 3, Heft 6 (1946). S. 170–173.

Das Problem vom Wohnungsbau ohne Subventionen. In: Der schweizerische Haus- und Grundeigentümer. Bd. 30, Heft 20 (1948). S. 172–174.

Einem besseren Wohnungsbau entgegen. Wer soll Wohnungen bauen: die Kommune, die Genossenschaft, der Privatmann? In: Vita publica. Bd. 4, Heft 1 (1949). S. 22–25.

Sinn und Unsinn der Abwertung. In: Das Archiv. Zeitschrift für eine natürliche Wirtschaftsordnung 23 (1950). S. 142–149.

Die Fussgängerstadt. In: Plan. Zeitschrift für Planen, Bauen und Umwelttechnik. Bd. 11, Heft 1 (1954). S. 27–29.

Vom Wachsen und Wandeln unserer Stadt. Basel 1955.

Lyrisches Werk

Das Karnickel und andere blutige Spässe über unsere Wirtschaftsführung. Gedichte. Bern 1939.

Der Staatsknecht und andere Reimereien über die Nöte unserer Zeit. Gedichte. Seltisberg 1940.

Zeichnungen

Das Kupferstichkabinett Basel besitzt sämtliche Skizzenbücher von Hans Bernoulli. Ulrike Jehle-Schulte Strathaus publizierte eine Auswahl anlässlich der Ausstellung zu seinem Werk im Architekturmuseum 1996.

Hans Bernoulli – Aus den Skizzenbüchern. Hg. von Ulrike Jehle-Schulte Strathaus und Markus Stegmann. Basel 1996.

Archive

Schweizerisches Wirtschaftsarchiv

Bernoulli, Hans Jakob (1876–1959). Dokumentensammlung 1939–1985: SWA biogr. Bernoulli, Hans Jakob.

Staatsarchiv Basel-Stadt

Sammlung biographischer Zeitungsausschnitte: Dossier mit 26 Zeitungsartikeln.

Bernoulli, Hans: Prof., 1916–1923: PA 925a B 5-5 8.

Bernoulli, Hans: Professoren-Titel: SK-REG 0-2-0 (1) 1.

Bernoulli, Prof. Dr. Hans (1941): ED-REG 1a 1 91.

Bernoulli-Ziegler, Hans und Anni, Architekt, Berlin (1907–1909): PA 182a B 44, B 61.

Nationalratsfraktion, Unterlagen von Prof. Hans Bernoulli (1947–1951): PA 908a A 2.9 (2).

Skizzenbuch Hans Bernoulli (1943): Arbeitsbeschaffung und Arbeitsrappen: C 2.40.

Universitätsbibliothek Basel

Hans Benno (1876–1959). Dossier. UB Handschriften Archiv Bernoulli III w.

Nachlass Hans Bernoulli (1876–1959). 1876/1959 UB NL 138.

Literatur

Jahrbuch z’Rieche

Desax, Martina: Wie Holz wirkt. In: Jahrbuch z’Rieche 2012. S. 44–53.

Weitere Literatur

Bernoulli, Hans. In: Architektur Basel. URL: architekturbasel.ch/tag/bernoulli-hans/ (03.06.2019).

Huber, Dorothee: Bernoulli, Hans. In: Historisches Lexikon der Schweiz. URL: www.hls-dhs-dss.ch/de/articles/006178/2002-07-02/ (28.05.2019).

Claus, Sylvia und Lukas Zurfluh (Hg.): Städtebau als politische Kultur. Der Architekt und Theoretiker Hans Bernoulli. Zürich 2018.

Jauslin, Manfred: Hans Bernoulli. Eine Architektur für Menschen. In: Schweizer Monatshefte: Zeitschrift für Politik, Wirtschaft, Kultur. Bd. 76, Heft 5 (1996). S. 13–16.

Nägelin-Gschwind, Karl und Maya (Hg.): Hans Bernoulli. Architekt und Städtebauer. Mit einem Geleitwort von Mario Botta. Basel 1993.

Schmid, Werner: Prof. Dr. h. c. Hans Bernoulli (1876–1959). In: Basler Stadtbuch 1961. S. 254–262.

Schmid, Werner: Hans Bernoulli. Städteplaner, Politiker, Weltbürger. Schaffhausen 1974.

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