Faustina Iselin

19152010

Faustina Iselin war gelernte Grafikerin, Malerin und langjährige Mitarbeiterin des Basler Marionettentheaters. Sie wohnte während elf Jahren am Hackberg in Riehen.

Tochter des Hans Iselin (Chirurg) und der Gustava, geborene Haeger (Malerin). Eine Schwester und ein Bruder.

Faustina Iselin kam am 19. Oktober 1915 in Basel zur Welt. Ihr Vater Hans Iselin (1878–1953) war ab 1937 Professor an der medizinischen Fakultät der Universität Basel und Chefarzt des St. Claraspitals. Ihre Mutter Gustava Iselin–Haeger (1878–1962) war eine bekannte Kunstmalerin. Ihr Grossvater väterlicherseits, Ferdinand Iselin (1843–1881), war der Architekt des Hotels Krafft in Basel und ihr Grossvater mütterlicherseits, Wilhelm Haeger (1834–1901), leitete den Bau des Reichstags in Berlin.
Als Faustina Iselin zur Welt kam, wohnte ihre Familie an der Hebelstrasse 14 in Basel. 1916 kauften die Eltern das Haus am Hackberg 49 in Riehen als Sommerwohnsitz. Zudem besass die Familie ein Bauernhaus in Bergalingen im deutschen Hotzenwald, ein Haus in Hütten (ZH) und das sogenannte ‹Fontanino› in Incella oberhalb von Brissago (TI). Ab 1927 wohnte die Familie an der Birmannsgasse 11 in Basel, wo Hans Iselin auch seine Arztpraxis hatte. Nach dem Tod des Vaters zog Faustina Iselin 1953 mit ihrer Mutter in das Haus am Hackberg in Riehen. Zwei Jahre nach dem Tod der Mutter im Jahr 1962 wurde das Haus in Riehen verkauft und Iselin kehrte nach Basel zurück, erst an die Stiftsgasse 5, später an die Birmannsgasse 7.

Iselin wurde zu Hause unterrichtet, bevor sie ab 1927 die Lateinklasse der Töchterschule (ab 1929 Mädchengymnasium) am Kohlenberg in Basel besuchte. Im Frühling 1932 wechselte sie an die Allgemeine Gewerbeschule Basel, absolvierte zunächst den zweisemestrigen Vorkurs, danach die Grafikfachklasse, die sie 1936 nach sechs Semestern abschloss. Von 1936 bis 1937 besuchte sie die Preussische Akademie der Künste in Berlin und assistierte im Anschluss daran ein Jahr dem Plakatgestalter und Bühnenbildner Paul Colin in Paris. 1938 gewann Iselin den zweiten Platz beim internationalen Plakatwettbewerb der Foire de Paris, einer jährlich stattfindenden Handelsmesse.
1938/39 arbeitete Iselin als Gebrauchsgrafikerin in der Druckerei von Max Sulzbachner in Basel und als Maskenbildnerin für Karl Gotthilf Kachlers Studententheater Basel. Von 1940 bis 1943 besuchte sie erneut die Allgemeine Gewerbeschule in Basel, um sich als Schülerin von Arnold Fiechter (1879–1943) und Walter Bodmer (1903–1973) vertieft der Malerei zu widmen.
Iselin erhielt 1945 und 1962 Ausführungsaufträge für Bundesfeier- und Pro-Juventute-Briefmarken. Zudem war sie von 1942 bis 1970 Figurenschnitzerin und von 1946 bis 1996 Sprecherin des Basler Marionetten Theaters.
Iselin malte von 1954 bis 1976 bei Adolf Tschudin, dem sogenannten ‹Larven-Tschudi›, Künstlerlarven für die Basler Fasnacht. Während dieser Zeit wurde sie in Basel unter dem Rufnamen ‹s’Füschtli› bekannt.
1977/78 schuf sie im Auftrag des Basler Kunstkredits für die Psychiatrische Universitätsklinik (PUK) das grosse Wandgemälde ‹Die Jahreszeiten›, das später einem Umbau zum Opfer fiel. Iselin erhielt 1985 den Riehener Kulturpreis.

Iselins Werk ist geprägt von ihrer Auseinandersetzung mit dem Gegenständlichen. Motivisch widmete sie sich lange Zeit Landschaften, Stadtansichten, Porträts und Innenräumen. Im Spätwerk dominieren Fensterbilder und Stillleben. Iselin malte viel auf ihren zahlreichen Reisen nach Italien (Toscana), Südafrika (Johannesburg), Marokko, Holland, Frankreich, Griechenland (Kreta) oder England. Charakteristisch für ihre Malerei sind klare Bildkompositionen und feine farbliche Abstufungen von Grau-, Blau- und Brauntönen. Grösstenteils malte sie mit Temperafarben, aber auch Acryl- und Ölbilder, Tuschezeichnungen und einige Aquarelle sind in ihrem Werk enthalten.

Faustina Iselin starb am 13. September 2010 im Alter von 95 Jahren in Basel.

Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 11.5.2022

Fakten

Faustina
Iselin
s’Füschtli
19.10.1915 in Basel
13.09.2010 in Basel
Basel

Artikel

Jahrbuch Riehen

Werke (Auswahl)

Blick auf Basel heute – ein Skizzenbuch. Mit Text von Dorothea Christ. Basel 1984.

Gemeinde Riehen

Die Gemeinde Riehen ist im Besitz von 11 Kunstwerken von Faustina Iselin:

Larvenatelier. Lithografie, 1957.

Maledetta Toscana. Acryl, 1967.

Riehen vom Brühl aus gesehen. Federzeichnung, 1986.

Riehen vom Schlipf aus gesehen. Federzeichnung, 1987.

Riehen, Berowergut mit Ökonomiegebäude. Federzeichnung, 1987.

Riehen, Sarasinpark. Federzeichnung, 1987.

Orangerie im Sarasinpark. Federzeichnung, 1987.

Alte Mühle in Riehen. Federzeichnung, 1987.

Biotop / Eisweiher. Federzeichnung, 1987.

Orangerie im Sarasinpark. Federzeichnung, 1987.

Statue im Wenkenpark. Federzeichnung, 1987.

Archive

Staatsarchiv Basel-Stadt

Sammlung biographischer Zeitungsausschnitte: 12 Zeitungsartikel und Ausstellungsplakate.

Literatur

Jahrbuch z'Rieche

Christ, Dorothea: Die Malerin und Graphikerin Faustina Iselin. In: Jahrbuch z’Rieche 1986. S. 145–154.

Weitere Literatur

Christ, Dorothea: Die Malerin Faustina Iselin. Basel 1997.

Faustina Iselin – Zeichnungen, Aquarelle, Bilder. Ausstellungskatalog Galerie «zem Specht» Basel. Basel 1979.

Faustina Iselin – Zeichnungen, Aquarelle, Bilder. Ausstellungskatalog Galerie «zem Specht» Basel. Basel 1982.

Faustina Iselin – Zeichnungen, Aquarelle und Bilder. Zum 70. Geburtstag. Ausstellungskatalog Galerie «zem Specht» Basel. Basel 1985.

Faustina Iselin. Ausstellungskatalog Galerie Carzaniga und Ueker Basel. Basel 1989.

Iselin, Faustina. In: SIKART. Lexikon zur Kunst in der Schweiz. URL: www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx?id=4000106 (22.11.2021).

Krattiger, Ursa: Faustina Iselin (1915–2010). Eine Autobiographie in Selbstbildnissen. Im Dialog mit Werken von Gretel Haas-Gerber (1903–1998) aus Offenburg. In: Jahresbericht. Freunde des Klingentalmuseums. Basel 2012. S. 42–52.

Monteil, Annemarie: Retrospektive Faustina Iselin zum 80. Geburtstag. Basel 1995.

Links

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