Dora Schmidt

18951985

Die Riehener Nationalökonomin Dora Schmidt war die erste Frau in einer Leitungsposition in der schweizerischen Bundesverwaltung. Sie engagierte sich zeitlebens für die soziale und wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen.

Tochter des Paul Wilhelm Schmidt (Theologe) und der Elisa Johanna, geborene Schröder. Heirat 1946 mit Friedrich Grob.

Dora Schmidt wuchs mit fünf Brüdern in Riehen auf. 1909, mit der Einbürgerung ihres Vaters, erhielt auch sie das Riehener Bürgerrecht. Nach der Maturität an der Töchterschule in Basel studierte sie in Basel Geschichte und moderne Philologie. Sie schloss das Studium mit dem Mittelschullehrerexamen ab. Anschliessend studierte sie Nationalökonomie und Staatswissenschaft an den Universitäten Basel, Bern und Berlin und promovierte 1926 mit einer Arbeit zu Steuerfragen. Zeitgleich sammelte sie praktische Erfahrungen beim Gewerbeinspektorat in Basel, wo sie insbesondere Fragen zum Arbeiterinnenschutz bearbeitete. 1925 wurde sie als Adjunktin ins Bundeshaus berufen, wo sie sich beim Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (BIGA, seit 1999 SECO) auf Fragen der Frauenarbeit spezialisierte. Sie wirkte in diversen Kommissionen mit und vertrat die Schweiz bei der International Labour Organization (ILO) in Genf. 1939 wechselte sie ins neu gegründete Kriegsernährungsamt. Hier trug sie massgeblich zur Organisation der Lebensmittelrationierung bei. Von 1942 bis 1946 arbeitete sie als Wirtschaftskonsulentin der Schweizerischen Bankgesellschaft.

1946 heiratete sie ihren Jugendfreund Fritz Grob in den USA, wo sie bis zu ihrer Scheidung 1952 mit Unterbrüchen wohnte.

Dora Schmidt engagierte sich zeitlebens in der schweizerischen Frauenbewegung. Im Zusammenhang mit der Schweizerischen Frauenausstellung (SAFFA) 1928 forderte sie existenzsichernde Frauenlöhne, die Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und die Anerkennung lediger Frauen. Besonders gross war ihr Einsatz für eine unabhängige Altersfürsorge für Frauen. 1947 gehörte sie zu den Gründerinnen des Clubs der Berufs- und Geschäftsfrauen Zürich.

Bis zum Tod ihrer Mutter blieb sie Riehen verbunden, wo sie wiederholt während längeren Zeiten im Haus Schmidt wohnte. Danach zog sie 1954 nach Basel, besuchte Vorlesungen an der Universität und widmete sich diversen publizistischen Arbeiten. Sie starb am 6. September 1985 im Alter von 90 Jahren in Basel.

Autorin / Autor: Isabel Koellreuter | Zuletzt aktualisiert am 13.5.2022

Fakten

Augusta Johanna Dorothea
Schmidt
03.02.1895 in Basel
06.09.1985 in Basel
ab 1909 Riehen
Deutschland (bis 1909)

Artikel

Werke (Auswahl)

Werke (Auswahl)

Die Frau in der Industrie. Vortrag, gehalten am Instruktionskurs für weibliche Berufsberatung in Basel. Teil 1. In: Frauenbestrebungen 12 (1919).

Die Frau in der Industrie. Vortrag, gehalten am Instruktionskurs für weibliche Berufsberatung in Basel. Teil 2. In: Frauenbestrebungen 1 (1920).

Die Arbeitslosigkeit der kaufmännischen Angestellten. Eine Enquête im Auftrag des Kaufmännischen Vereins Basel. Bern 1924.

Die Frau in der Sozialpolitik der Schweiz. In: Kölner sozialpolitische Vierteljahrschrift. Bd. 5, Heft 1 (1926). S. 35–53.

Nichtfiskalische Zwecke der Besteuerung. Ein Beitrag zur Steuertheorie und Steuerpolitik. Basel 1926.

Die Bedeutung der Frauenarbeit für die Volkswirtschaft. Vortrag. In: Zeitschrift für schweizerische Statistik und Volkswirtschaft 1 (1929).

Die Arbeitslosigkeit und die Frauen. Vortrag, gehalten an der Generalversammlung des Bundes schweizerischer Frauenvereine in Zürich, 16.10.1932. O. O. 1932.

Werden wir den Krieg ohne Hunger überstehen? Kurzer Abriss der Kriegsernährungsvorsorge des Bundes, anhand verschiedener Vorträge gemeinverständlich. Wetzikon 1941.

Mission der Schweizerfrau von heute. Ansprache, gehalten vor einem Kreis berufstätiger Frauen am 28. August 1945. Winterthur 1945.

Die Bürgschaft in der Schweiz nebst einer kleinen Ökonomik des Bürgers. Bern 1948.

Der andere Weg zum Frauenstimmrecht. Herisau 1957.

Archive

Schweizerisches Wirtschaftsarchiv

Dora Schmidt 1935–1941. Dokumentensammlung: CH SWA Biogr. Schmidt, Dora.

Universitätsbibliothek Basel

Briefwechsel zwischen Carl Jacob Burckhardt und Dora Grob-Schmidt 1947–1961: NL 110 : G 2630,1–6.

Schweizerisches Sozialarchiv

Schmidt, Dora. In: Schweizerisches Sozialarchiv. URL: www.bild-video-ton.ch/suche/in/ssaPersonen/Schmidt%2C%20Dora/ (22.11.2021).

Literatur

Ludi, Regula: Schmidt, Dora. In: Historisches Lexikon der Schweiz. URL: www.hls-dhs-dss.ch/de/articles/009383/2012-09-11/ (13.05.2022).

Schmidt, Dora (1895–1985). In: Archiv für Agrargeschichte (AfA) 2018. URL: www.histoirerurale.ch/pers/personnes/Schmidt,_Dora_(1895_1985)__DB3160.html (22.11.2021).

Vincenz, Bettina: Dora Grob-Schmidt. Eine Frau wagt sich vor. In: Schweizerischer Verband für Frauenrechte (Hg.): Der Kampf um gleiche Rechte. Basel 2009. S. 334–344.

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