Atelierhaus Wenk

Mooshaldenweg 5

Das 1926 erbaute Atelierhaus Wenk ist ein Holzbau, in dem die Architekten Artaria und Schmidt ein neuartiges Konstruktionssystem anwandten. Kostengünstig gebaut, zugleich aber auch Komfort bietend ist das Haus den Ideen der künstlerischen Avantgarde-Bewegung Neues Bauen verpflichtet. Es wurde in der Fachliteratur publiziert und entwickelte sich zum Anziehungspunkt für zahlreiche Gäste.

Die Architekten Paul Artaria und Hans Schmidt bauten 1926 ein Wohn- und Atelierhaus aus Holz für den Kunstmaler Willi Wenk (1890–1956) und dessen Ehefrau Lisbeth, geborene Zimmermann. Das leichtabfallende Baugrundstück war lang und schmal. Es mass 90 Meter auf 16,5 Meter. Seine Form hatte Einfluss auf die Gestaltung des Gebäudegrundrisses. Dem langen, schlauchartigen Trakt schliesst sich im Norden ein der Strasse zugewandter Kopfbau an. Darin ist ein geräumiges Atelier mit grossen Fenstern und in einer geschlossenen Galerie ein Gästezimmer untergebracht. Die Türen der hintereinander gereihten Räume liegen auf einer Linie, sodass zwischen Atelierfenster und Verandatür des Schlafzimmers eine Raumflucht entsteht, wie sie bei repräsentativen Profanhauten des Barocks Anwendung fand. Atelier und Wohntrakt haben jeweils eigene Pultdächer, die in entgegengesetzte Richtungen neigen und die unterschiedliche Funktionen der Hausteile sichtbar machen. Vom Schlafzimmer aus kann das Badezimmer am Südende des Wohnflügels und ein überdachter Sitzplatz betreten werden, der über eine gedeckte Passage mit dem Hauseingang verbunden ist.

Kellermauern und Sockelpfeiler des Hauses sind aus Beton gegossen. Die experimentierfreudigen Architekten ersetzten die herkömmliche Holzständerkonstruktion durch einen Holzrahmenbau mit Ständern und durchlaufenden Zangen. Der sich ergebende skelettartige Aufbau ermöglichte eine freie Grundriss- und Fassadengestaltung und war nach Belieben erweiterbar. Er nahm die Idee der Stahlskelettkonstruktion vorweg, die das Architektenduo in den Häuser Colnaghi, Huber und Schaeffer umsetzte. Auch dem Leitsatz der künstlerischen Avantgarde-Bewegung Neues Bauen, unkompliziert und billig zu bauen, trugen die Architekten Rechnung. Das gewählte Raumprogramm des Atelierhauses und die verwendeten Materialien sind einfach und kostengünstig, bieten aber zugleich Komfort und gehen auf die individuellen Bedürfnisse der Bauherrschaft ein.

Das Atelierhaus wurde mehrfach in der Fachliteratur publiziert, so unter anderem von Peter Meyer in dessen Monografie ‹Moderne Schweizer Wohnhäuser› (1928) und von Artaria in seinen Büchern ‹Schweizer Holzhäuser aus den Jahren 1920–1940› (1942) und ‹Vom Bauen und Wohnen› (1948). In der Kampfschrift ‹Moderne Architektur und Tradition› (1927), in der Meyer eine scharfe Kritik an klassischen Architekturvorstellungen formulierte, hob er das Atelierhaus als positives Beispiel der gegenwärtigen Architektur lobend hervor: In ihm sei die «Idee des Monumentalen, der Repräsentation […] überwunden, man scheut sich nicht vor dem Barackenhaften, wenn sich das gegebene Wohnbedürfnis bei beschränkten Mitteln nicht anders befriedigen lässt».

Das Künstlerhaus war ein Anziehungspunkt, Gäste besuchten es rege. Das Einrichten einer Bocciabahn steigerte den Besucherandrang zusätzlich. «Leute unterschiedlichster Art kamen oft ungerufen bei Wenks zusammen, spielten abwechselnd stundenlang, kritisierten oder lobten die Spielweise der andern und ließen sich zum Schluß von Frau Wenk in deren stiller und einfacher Art bewirten», wie Pauline Müller 1961 in einem Artikel des ersten ‹Jahrbuchs z’Rieche› berichtete.

Das Haus befindet sich im Erdgeschoss weitgehend im Originalzustand. Dem Wetter ausgesetzte Fassadenbereiche wurden 1939 mit von Artaria gebilligten Eternitschindeln verkleidet. Ein grösserer Eingriff wurde im Keller vorgenommen, indem die Waschküche zu einer Autogarage umgebaut wurde.

Autorin / Autor: Felix Steininger | Zuletzt aktualisiert am 5.1.2023

Fakten

Atelierhaus Wenk
Mooshaldenweg 5, ehemals Langoldshaldenweg 10
1926
Lisbeth und Willi Wenk-Zimmermann
Unter Denkmalschutz

Jahrbuch Riehen

Literatur

Jahrbuch z’Rieche

Desax, Martina: Wie Holz wirkt. In: Jahrbuch z’Rieche 2012. S. 44–53, hier S. 47f.

Müller, Pauline: Kunstmaler Willi Wenk. In: Jahrbuch z’Rieche 1961. S. 29–38.

Schiess, Robert: Neues Bauen in Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 2005. S. 90–97, hier S. 96.

Spechtenhauser, Klaus: Orte des kreativen Schaffens. In: Jahrbuch z’Rieche 2022. S. 48–59, hier S. 53f.

Weitere Literatur

Artaria, Paul: Schweizer Holzhäuser. Basel 1947.

Artaria, Paul: Vom Bauen und Wohnen. Basel 1948.

Meyer, Peter: Moderne Schweizer Wohnhäuser. Zürich 1928.

Meyer, Peter: Moderne Architektur und Tradition. Zürich 1927.

Nagel, Anne u. Spechtenhauser, Klaus: Riehen. Bern 2014. S. 57f.

Suter, Ursula: Kritischer Werkkatalog. In: Hans Schmidt. 1893–1972. Architekt in Basel, Moskau, Berlin-Ost. Werkkatalog von Ursula mit Beiträgen von Bruno Flier, Simone Hain, Kurt Junghanns, Werner Oechslin und Ursula Suter. Zürich 1993. S. 109–374.

Thüring, Bruno: 5. Atelierhaus Wenk. In: Heimatschutz Basel (Hg.): Baukultur Entdecken. Neues Bauen in Riehen. Ein Spaziergang mit dem Heimatschutz Basel und Riehen. Basel 2005.

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