Evangelische Volkspartei Riehen-Bettingen

Die Evangelische Volkspartei ist in Riehen so stark wie nirgends sonst in der Schweiz: Die EVP prägt die Gemeindepolitik seit 1945 entscheidend mit.

Die Riehener Sektion der Evangelischen Volkspartei (EVP) wurde 1923 gegründet. Neben der EVP entstanden damals auch andere bürgerliche Parteien Sektionen in Riehen, in der Hoffnung, einen der Riehen damals zustehenden 14 Sitze im Grossen Rat des Kantons Basel-Stadt zu holen. Bei der ersten Wahl des Weiteren Gemeinderats (heute: Einwohnerrat) im selben Jahr schlossen sich diese Kräfte zur Bürgerlichen Vereinigung zusammen.

In den 1940er-Jahren schliefen die Parteiaktivitäten der EVP ein. 1945 kam es auf Initiative des Druckers und Verlegers Albert Schudel-Feybli zu einem Neuanfang: Die EVP wurde als Evangelische Wählervereinigung neu gegründet. Kurz darauf kam es bei den Wahlen ins Gemeindepräsidium zu einem Skandal und verschiedene Mitglieder der Liberalen Partei traten der neuen Vereinigung bei. 1949 folgte die Umbenennung in Vereinigung Evangelischer Wähler (VEW).

Ab 1951 trat die VEW nicht mehr gemeinsam mit der Bürgerlichen Vereinigung an, sondern mit einer eigenen Liste. Die Partei gewann stetig an Wählerstärke. Bereits 1951 zog die Partei in den Gemeinderat ein, der in diesem Jahr um zwei Sitze erweitert wurde und neu sieben Mitglieder umfasste. Ab den 1970er-Jahren spielte die Partei in der Riehener Politik eine überproportional starke Rolle. Die EVP konnte aus ihrer Rolle als Zünglein an der Waage zwischen dem bürgerlichen und dem linken ‹Block› politisches Kapital schlagen.

1975, vier Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts auf Bundesebene, ergänzte die Partei ihren Namen zu Vereinigung Evangelischer Wählerinnen und Wähler. 1989 wurde die Riehener VEW Vollmitglied der EVP Schweiz und gründete 1993 eine Jungpartei. 2004 schloss sich die VEW Bettingen der VEW Riehen an. 2006 fiel der Entscheid, fortan unter dem Namen EVP Basel-Stadt aufzutreten.

2014 ging eine Ära zu Ende: Seit 1970 besetzten Vertreter der EVP ununterbrochen das Amt des Gemeindepräsidenten. Die Wahlen 2014 brachten eine Verschiebung nach rechts und die EVP verlor nicht nur das Amt des Gemeindepräsidenten, sondern auch ihre Rolle als prägende politische Kraft in der Gemeinde. Im Gemeinderat ist die Partei seither mit einem Mitglied vertreten. Bei den Wahlen von 2022 konnte die Partei mit Christine Kaufmann wieder das Gemeindepräsidium erringen.

Autorin / Autor: Nils Widmer | Zuletzt aktualisiert am 25.6.2022

Artikel

Jahrbuch Riehen

Literatur

Jahrbuch z’Rieche

Baumann, Christoph Peter: Das religiöse Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 2009. S. 8–17.

Raith, Michael: Zweihundert Jahre gelebte Demokratie. In: Jahrbuch z’Rieche 1999. S. 4–37.

Raith, Michael: Zweihundert Jahre gelebte Demokratie. Die Jahre nach dem Krieg. In: Jahrbuch z’Rieche 2000. S. 40–53.

Schindel, Ralph: Der grosse Umbruch. In: Jahrbuch z’Rieche 2014. S. 80–85.

Zinkernagel, Robert: 50 Jahre Weiterer Gemeinderat Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1974. S. 45–80.

Weitere Literatur

Kaufmann, Gerhard: Geschichte der Evangelische Volkspartei Basel-Stadt. In: EVP Basel-Stadt. URL: https://www.evp-bs.ch/partei/geschichte/ (10.12.2021).

Koellreuter, Isabel et al.: Herrschaft und Gemeinschaft. In: Schnyder, Arlette et al.: Riehen – ein Portrait. Basel 2010. S. 40–71, hier S. 52–54.

Raith, Michael: Kleine Geschichte der Riehener Parteien. In: Riehener Zeitung, 15.03.1974.

Raith, Michael: Gemeindekunde Riehen. 2. überarbeitete und aktualisierte Aufl. Riehen 1988. S. 215–224.

Vögelin, Hans Adolf: Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart (1879–1970). In: Bruckner, Albert et al.: Riehen – Geschichte eines Dorfes. Riehen 1972. S. 319–400.

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